Foto von Rettungsaktion vor Ceuta »Das Baby war eiskalt, völlig blass, es hat sich überhaupt nicht bewegt«

Ein wenige Monate altes Baby in Strampler und Mütze wird samt Rettungsring aus dem Mittelmeer vor Ceuta gerettet – ein Foto davon sorgt für großes Aufsehen. Nun hat der Retter über den Einsatz gesprochen.
Juan Francisco Valle bei dem Rettungseinsatz am vergangenen Dienstag

Juan Francisco Valle bei dem Rettungseinsatz am vergangenen Dienstag

Foto: --- / Guardia Civil / dpa

Das Baby hat überlebt, so viel schon vorweg.

Es ist eines dieser Fotos, das im Gedächtnis hängen bleibt: Ein Mann schwimmt im Meer, er trägt Handschuhe, hakt sich an einem Rettungsring unter – und hält in seinen Händen ein sehr junges Baby in die Höhe. Es trägt eine blaue Mütze und einen gekringelten Strampler, seine Knie und Füße ragen noch ins Wasser.

Das Foto ist am vergangenen Dienstag entstanden, als etwa 8000 Menschen von Marokko aus schwimmend die spanische Exklave Ceuta in Nordafrika erreicht hatten. Seitdem wurde die Aufnahme vielfach geteilt. Und der Mann auf dem Bild – der 41 Jahre alte Juan Francisco Valle von der spanischen Polizeieinheit Guardia Civil – wird in Spanien derzeit als Held gefeiert. In mehreren Interviews hat er nun über den Einsatz gesprochen.

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Das Baby sei von der im Wasser treibenden Mutter auf dem Rücken getragen worden, sagte Valle dem Radiosender Cope am Mittwoch . »Wir haben uns das Baby geschnappt, es war eiskalt, völlig blass, es hat sich überhaupt nicht bewegt... Ganz ehrlich, ich wusste nicht, ob es noch am Leben oder schon tot war.«

Valle ist Teil einer Sondereinheit der Guardia Civil, die sich unter anderem um Rettungseinsätze im Wasser kümmert. In dem Radiointerview sagte er nun, der Einsatz vor Ceuta sei »schon ein bisschen traumatisch« gewesen. Oft habe man nicht erkennen können, was die schwimmenden Migranten auf dem Rücken getragen hätten – »ob Rucksäcke oder Kleidung, oder vielleicht kleine Babys«.

Er arbeite seit zwölf Jahren für die Guardia Civil und sei dafür ausgebildet, mit »fast jeder denkbaren Situation im Meer« umzugehen, sagte Valle der spanischen Zeitung »El País« . Mit einer solchen »Flut von Hunderten verzweifelten Menschen« sei er aber noch nie konfrontiert gewesen.

Ob das Baby ein Junge oder ein Mädchen sei, wisse er nicht, sagte Valle der Zeitung. Laut »El País« ist das Kind in Sicherheit.

Auch in Deutschland wird das Foto von dem Einsatz vielfach geteilt. Die Hilfsorganisation Mission Lifeline beispielsweise veröffentlichte es  auf ihrem Twitteraccount, die SPD-Vorsitzende Saskia Esken kommentierte  dazu: »Mein Entsetzen und mein Dank sind kaum in Worte zu fassen.«

DER SPIEGEL

Mehr als 8000 Migranten waren binnen 36 Stunden in Ceuta angekommen. Die spanische Armee hat 5600 von ihnen bis Mittwochnachmittag direkt wieder nach Marokko zurückgeschickt, darunter Minderjährige. Die Praxis ist hochumstritten. Vor-Ort-Eindrücke von SPIEGEL-Reporter Steffen Lüdke sehen Sie hier im Video.

aar/dpa