Außenministerin in Istanbul Baerbock kritisiert türkische Offensive in Syrien

Misstöne nach dem Austausch der beiden Außenminister: Baerbock nennt die türkischen Angriffe in Nordsyrien nicht gerechtfertigt. Ihr türkischer Kollege Çavuşoğlu widerspricht und formuliert seinerseits Erwartungen.
Treffen in Istanbul: Außenministerin Annalena Baerbock mit ihrem türkischen Amtskollegen Mevlüt Çavuşoğlu

Treffen in Istanbul: Außenministerin Annalena Baerbock mit ihrem türkischen Amtskollegen Mevlüt Çavuşoğlu

Foto: Annette Riedl / dpa

Außenministerin Annalena Baerbock hat sich bei einem Besuch in Istanbul gegen neue militärische Aktionen der Türkei in Nordsyrien ausgesprochen. Ankara will dort die von der Regierung als Terrororganisation angesehene Kurdenmiliz YPG bekämpfen.

Man wisse, dass die Türkei durch Terror bedroht werde, und natürlich gelte das Recht auf Selbstverteidigung für alle, sagte Baerbock am Freitag bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem türkischen Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu. Zu diesem Recht gehörten jedoch weder Vergeltung noch abstrakte Präventivangriffe. »Und das gilt aus Sicht der deutschen Bundesregierung eben auch für Nordsyrien«, sagte Baerbock.

Çavuşoğlu: Türkei erwarte Unterstützung im Kampf gegen Terror

Das Leid der Syrer würde durch eine erneute militärische Auseinandersetzung noch einmal schlimmer werden, sagte die Außenministerin weiter. Zugleich entstünden neue Instabilitäten, die nur Terrororganisationen wie dem »Islamischen Staat« (IS) nutzten.

Baerbocks türkischer Amtskollege Çavuşoğlu ließ diese Argumentation nicht gelten und erwiderte, es handele sich um einen Einsatz im Kampf gegen den Terror und nicht um einen militärischen Konflikt. Die Türkei erwarte von Alliierten nicht nur Worte, sondern Unterstützung in diesem Kampf.

Das Nato-Mitglied Türkei hat bereits mehrere Militäroffensiven in Nordsyrien durchgeführt und hält dort Gebiete besetzt. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan hat mehrmals deutlich gemacht, dass er sein Militär erneut in das Nachbarland schicken will, um dort die von der Regierung in Ankara als Terrororganisation angesehene Kurdenmiliz YPG zu bekämpfen. Russland und der Iran, die ebenfalls Akteure im syrischen Bürgerkrieg sind, hatten die Türkei aber vor einem solchen Schritt gewarnt. Moskau und Teheran unterstützen die syrische Regierung, die Türkei unterstützt Rebellengruppen.

ktz/dpa
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