Haitis Hauptstadt Tausende Menschen durch Bandengewalt aus Port-au-Prince vertrieben

Haitis Hauptstadt Port-au-Prince versinkt im Chaos. Weil sich rivalisierende Banden bekämpfen, mussten Tausende ihr Zuhause verlassen, wie die Uno berichtet. Die Menschen schlafen demnach teils auf der Straße.
In Haitis Hauptstadt Port-au-Prince brennen buchstäblich die Straßen, wie dieses Foto vom 18. Mai zeigt

In Haitis Hauptstadt Port-au-Prince brennen buchstäblich die Straßen, wie dieses Foto vom 18. Mai zeigt

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JEAN MARC HERVE ABELARD / imago images/Agencia EFE

Eskalierende Bandengewalt hat in Haitis Hauptstadt Port-au-Prince Tausende Menschen in die Flucht getrieben. Es habe zahlreiche Tote und Verletzte gegeben, insbesondere seit dem 1. Juni, teilte die Uno-Agentur zur Koordinierung humanitärer Hilfe (Ocha) mit Stand vom Dienstag mit. Hunderte Wohnhäuser und kleine Geschäfte sind demnach in Brand geraten.

Erste Schätzungen gehen von 5600 Vertriebenen aus. Viele Menschen, darunter Kinder, seien in weniger gefährliche Stadtteile geflüchtet und schliefen nun im Freien auf der Erde oder hätten in behelfsmäßigen Unterkünften – etwa in Kirchen und in einer Sporthalle – Zuflucht gesucht. Sie bräuchten dringend humanitäre Hilfe, auch Essen und Trinkwasser.

Banden liefern sich dem Ocha-Bericht zufolge Kämpfe um die Kontrolle über Stadtgebiete. Die Polizei sei nicht in der Lage, für Sicherheit und Schutz zu sorgen. In den betroffenen Gegenden behinderten Gewalt und Straßenblockaden den Menschen- und Warenverkehr – und auch Hilfslieferungen.

Zehntausende Kleinkinder hungern

Zuletzt warnte das Uno-Kinderhilfswerk Unicef, dass ohne dringende Hilfe in diesem Jahr voraussichtlich 86.000 Kinder im Alter von unter fünf Jahren in dem Karibikstaat an schwerer akuter Unterernährung leiden würden. Auch meldeten zuletzt Krankenhäuser in Port-au-Prince, dessen Großraum nach Schätzungen mehr als 2,5 Millionen Einwohner umfasst, dass sie angesichts eines Anstiegs der Coronafälle voll seien.

Haiti gilt als ärmstes Land der westlichen Hemisphäre und leidet auch unter Korruption. Seit mehr als zwei Jahren legen teils gewaltsame Proteste das Land immer wieder lahm. Die Demonstranten fordern den Rücktritt des Präsidenten Jovenel Moïse, dem sie Korruption vorwerfen. Im Februar teilte die Regierung mit, dass ein Staatsstreich gegen Moïses Regierung verhindert worden sei.

hba/dpa
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