Zur Ausgabe
Artikel 69 / 71

Gestorben Bao Tong, 90

aus DER SPIEGEL 46/2022
Foto:

Katharina Hesse / laif

Als die Häscher kamen und ihn verhafteten, gehörte er zu den mächtigsten Männern in China, er war Mitglied im Zen­tralkomitee und ein enger Be­rater des damaligen Parteichefs Zhao Ziyang. Beide Männer wollten 1989 unbedingt ein Blutvergießen auf dem Platz des Himmlischen Friedens verhindern, den Studenten seit Wochen friedlich besetzt hatten. Verzweifelt begab sich Baos Chef auf den Platz und sprach zu den Protestierenden – doch am Ende vergebens. Wenig später rollten die Panzer. Zhao stand für den Rest seines Lebens bis zu seinem Tod 2005 unter Hausarrest, Bao wurde aus der Kommunistischen Partei ausgeschlossen und saß sieben Jahre lang im berüchtigten Pekinger Qincheng-Gefängnis, der offizielle Grund war, dass er Staatsgeheimnisse verraten haben sollte. Seit seiner Entlassung wurde Baos Wohnung im Drei-Schicht-Betrieb rund um die Uhr bewacht. Dennoch ließ er sich nicht einschüchtern. So gehörte er zu den ersten Unterzeichnern der Charta 08, eines Manifests, das der spätere Friedensnobelpreisträger Liu Xiaobo 2008 mitverfasst hatte. Sie forderten Meinungs- und Versammlungsfreiheit, die Unabhängigkeit der Justiz und eine durch freie Wahlen bestimmte Regierung. Bao Tong starb am 9. November in Peking.

gie
Zur Ausgabe
Artikel 69 / 71
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.