Neues Buch Obama beschreibt Trump als "völlig hemmungslos"

Der frühere US-Präsident Barack Obama hat ein Buch über seine Amtszeit und die Folgen geschrieben. Er glaubt, dass sich die Republikaner auch seinetwegen radikalisierten – und zeichnet den Aufstieg von Donald Trump nach.
Obama bei einem Wahlkampfauftritt für Joe Biden am 2. November: Sein Weggefährte hat Trump geschlagen

Obama bei einem Wahlkampfauftritt für Joe Biden am 2. November: Sein Weggefährte hat Trump geschlagen

Foto: Brynn Anderson / AP

Der frühere US-Präsident Barack Obama rechnet mit seinem Nachfolger Donald Trump ab: In einem Buch wirft er ihm vor, mit Lügen über seinen Geburtsort die Sicherheit seiner Familie aufs Spiel gesetzt zu haben. Zudem wirft Obama der Republikanischen Partei vor, sich zu Komplizen von Donald Trump und dessen Lügen gemacht zu haben.

Im ersten Band seiner Memoiren mit dem Titel "Ein verheißenes Land" beschreibt der erste schwarze US-Präsident, wie Trump seit dem Jahr 2011 die Verschwörungstheorie verbreitete, Obama sei gar nicht in den USA geboren und deshalb gar nicht berechtigt, US-Präsident zu sein. Der SPIEGEL veröffentlicht Auszüge aus dem Buch, das am Dienstag erscheint, in seiner kommenden Ausgabe. "Anfangs beachtete ich diesen Unfug gar nicht", schreibt Obama darin. Aber er habe schnell feststellen müssen, wie sich Trumps Lüge nicht nur in den Medien verbreitete, sondern auch in der Republikanischen Partei Widerhall fand. Wer an die Lüge glaubte, war "Birther" (von engl. "birth" = Geburt).

Obama schildert, es habe eine "emotionale, beinahe instinktive Reaktion" auf seine Präsidentschaft gegeben, die "nichts mit politischen oder ideologischen Gegensätzen zu tun" gehabt habe. "Es war, als hätte meine Gegenwart im Weißen Haus eine tief verwurzelte Angst geweckt, als glaubten meine Gegner, die natürliche Ordnung der Dinge löse sich auf." Das habe auch Donald Trump begriffen: "Er versprach Millionen Amerikanern, die wegen eines Schwarzen Manns im Weißen Haus verschreckt waren, ein Elixier zur Behandlung ihrer ethnischen Ängste."

Direkte Linie von Trump zu den Republikanern

Für Obama liegt das Problem nicht nur bei Trump, sondern genauso bei der Republikanischen Partei: Die Stimmung aus der Schlussphase des Wahlkampfs der ehemaligen Vizepräsidentschaftskandidatin Sarah Palin und der Tea Party habe zunehmend "vom Rand der Republikanischen Partei auf ihren Kern übergegriffen". Obama zieht eine direkte Linie von Trump zu den Republikanern: "Es war klar, dass Trump keinen Gedanken daran verschwendete, welche Konsequenzen es hatte, Verschwörungstheorien zu verbreiten, von denen er ziemlich sicher wusste, dass sie falsch waren, solange er nur seine Ziele erreichte", schreibt Obama.

Trump habe sich in dieser Hinsicht kaum von den beiden republikanischen Fraktionschefs John Boehner und Mitch McConnell unterschieden: Der Wahrheitsgehalt dessen, was die beiden sagten, sei ihnen vollkommen gleichgültig gewesen, wenn sie Obama angriffen. "Trumps politischer Stil unterschied sich nur dadurch von ihrem, dass Trump völlig hemmungslos war. Er verstand instinktiv, was die konservative Wählerbasis bewegte, und er bot es in unverfälschter Form dar." 

Obama berichtet auch von den Sorgen seiner Frau Michelle. "Sie hatte mir zu verstehen gegeben, dass Trump und der 'Birtherism' ihr nicht wegen meiner politischen Zukunftsaussichten, sondern wegen der Sicherheit unserer Familie Sorgen machten", schreibt Obama. "'Die Leute glauben, es sei alles nur ein Spiel', sagte sie. 'Sie denken nicht darüber nach, dass da draußen Tausende bewaffnete Männer herumlaufen, die jedes Wort glauben, das ihnen erzählt wird.'"

Der Aufstieg von Donald Trump dürfte die USA trotz dessen Niederlage gegen den Demokraten Joe Biden weiter prägen. Führende Republikaner unterstützen Trumps Versuche, das Wahlergebnis juristisch anzufechten – obwohl es für seine Betrugsvorwürfe bislang keinerlei Belege gibt. Auch eine erneute Kandidatur des abgewählten Präsidenten in vier Jahren scheint nicht ausgeschlossen. Bis dahin wird aber Obamas früherer Stellvertreter die Geschicke des Landes bestimmen: Im Januar wird der neu gewählte Präsident Biden als Staatschef vereidigt und kann ins Weiße Haus zurückkehren.

rp/mes
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