Barack Obama über USA nach Trump »Es braucht mehr als eine Wahl, um diese Dinge rückgängig zu machen«

Der ehemalige US-Präsident Obama rechnet erneut mit Donald Trump ab: Dessen Verhältnis zur Wahrheit habe das Land gespalten. Die Erwartungen an den designierten Nachfolger Joe Biden dämpft er.
Barack Obama bei einer Rede im vergangenen Wahlkampf der Demokraten

Barack Obama bei einer Rede im vergangenen Wahlkampf der Demokraten

Foto: Brynn Anderson / dpa

Der ehemalige US-Präsident Barack Obama beobachtet in den USA eine zunehmende soziale Spaltung – und sieht die Ursachen dafür unter anderem bei seinem Nachfolger Donald Trump. Das Land sei heute mehr gespalten als zu Beginn der Amtszeit Trumps vor vier Jahren und "sicherlich mehr" als zu Zeiten seiner eigenen Präsidentschaft ab 2008, sagte Obama in einem Interview mit der britischen BBC .

Für diese Entwicklung macht Obama auch den Führungsstil des derzeitigen Amtsinhabers verantwortlich. Trump habe Ressentiments zwischen verschiedenen Bevölkerungsteilen "angefeuert", weil es vermeintlich seiner Politik genützt habe. Dabei bezog Obama sich besonders auf das Verhältnis des amtierenden Präsidenten Trump zur Wahrheit: So habe sich ein Umgang etabliert, den einige als "Wahrheitszerfall" bezeichneten, in dem "alles erlaubt ist und Fakten nicht zählen". Dies habe enorm zum Auseinanderdriften von Bevölkerungsteilen beigetragen. Er bezog sich dabei auf wachsendes Unverständnis zwischen dem ländlichen und dem städtischen Amerika und große Uneinigkeit bei Themen wie Einwanderung und sozialer Gerechtigkeit.

Das Problem sei kein speziell amerikanisches, sondern habe Parallelen auf der ganzen Welt, so Obama. Er sehe sie dort, wo Menschen das Gefühl hätten, auf der Leiter des wirtschaftlichen Aufstiegs den Halt zu verlieren. Dann reagierten sie mit Schuldzuweisungen auf andere Bevölkerungsgruppen.

Obama setzte Hoffnung in Veränderungen unter dem neu gewählten Präsidenten Joe Biden – relativierte allerdings die Aussicht auf schnelle Besserung. "Es wird mehr als eine Wahl brauchen, um diese Trends umzukehren", sagte er. Der Kampf gegen ungute Polarisierungen innerhalb des Landes könne außerdem nicht nur Politikern überlassen werden, sondern erfordere strukturelle Veränderungen und gegenseitiges Zuhören. Sich auf "gemeinsame Fakten" zu einigen, bevor man sich streite, was man gegen Probleme tun könne, sei eine Voraussetzung, so Obama. Biden hatte angekündigt, Trumps Politik "von Tag eins an" kippen zu wollen.

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Dem gegenüber stünden "verrückte Verschwörungstheorien", denen Teile der US-Bevölkerung Glauben schenkten. "Es gibt Millionen von Menschen, die glauben, Joe Biden sei Sozialist" und die ehemalige Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton sei in einen Pädophilenring verwickelt gewesen, sagte er. Dafür verantwortlich sei auch die Verbreitung von Fehlinformationen durch einige US-Medien und die "Turboaufladung" der Dynamik durch soziale Dienste im Internet. Viele konventionelle Medien hätten hingegen ihre Bemühungen zur Verifikation von Fakten in den vergangenen Jahren verstärkt, so Obama.

Obama sprach in dem Interview des Senders BBC Arts mit dem Historiker David Olusoga, um seine neuen Memoiren vorzustellen. Diese sollen am 17. November erscheinen. Eine Veröffentlichung ist in 25 Sprachen vorgesehen – auch auf Deutsch. Lesen Sie hier vorab veröffentlichte Auszüge . 2018 war die Autobiografie seiner Frau Michelle zu einem internationalen Bestseller geworden.

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