Explosionen in Beirut Ermittler ziehen auch Anschlag als Ursache in Betracht

Bei der Untersuchung der Katastrophe in Beirut gehen die Behörden laut Libanons Präsident Aoun auch dem Verdacht nach, dass eine Rakete oder Bombe der Auslöser war. Die Ermittlungen würden auf drei Ebenen geführt.
Hafen von Beirut drei Tage nach den Explosionen

Hafen von Beirut drei Tage nach den Explosionen

Foto: Hussein Malla/ dpa

Die libanesischen Behörden stehen nach der katastrophalen Explosion in der Hauptstadt Beirut unter hohem Druck: "Maximal vier Tage Zeit" habe die eingesetzte Untersuchungskommission, um "einen detaillierten Bericht über die Verantwortlichkeiten vorzulegen", hatte Außenminister Charbel Wehbe am Donnerstag gesagt.

Präsident Michel Aoun hat nun geschildert, wie die Ermittler vorgehen. Demnach wird die Untersuchung auf drei Ebenen geführt:

  • Erstens, wo das hochexplosive Material im Hafen Beiruts hergekommen und wie es gelagert worden sei.

  • Zweitens, ob die Explosion durch Fahrlässigkeit oder einen Unfall verursacht worden sei.

  • Drittens die Möglichkeit, dass es einen externen Eingriff gegeben habe. Aoun sagte laut einer Mitteilung des Präsidialamts, es gebe auch die Möglichkeit, dass die Explosion durch eine Rakete oder eine Bombe oder eine andere Tat ausgelöst worden sei.

In Sicherheitskreisen war zuletzt von Untätigkeit und Fahrlässigkeit bei der Lagerung des explosiven Materials die Rede gewesen. In diesem Zusammenhang waren am Donnerstag auch mehrere Hafenmitarbeiter festgenommen worden, darunter laut Sicherheitskreisen auch der Hafenchef.

Derzeit wird davon ausgegangen, dass die Explosion mit 2750 Tonnen hochexplosiven Ammoniumnitrats zusammenhängt, die der Regierung zufolge sechs Jahre lang weitgehend ungesichert im Hafen lagerten. Unklar ist aber, was genau die Explosion herbeiführte.

US-Präsident Donald Trump hatte nach den Explosionen zunächst spekuliert, es habe sich um einen Anschlag gehandelt, relativierte diese Äußerungen aber später. Libanons Außenminister Wehbe ging am Donnerstag hingegen von einem Unfall aus. "Vorläufige Berichte deuten darauf hin, dass eine falsche Handhabe von explosiven Produkten dahintersteckt", sagte er. "Eine sehr schwere Fahrlässigkeit, die seit sechs Jahren andauert."

Bei den zwei Explosionen am späten Dienstagnachmittag war nach Angaben der Behörden halb Beirut zerstört oder beschädigt worden. Die Zahl der Todesopfer stieg zuletzt auf 154. Rund 5000 Menschen waren verletzt worden.

mes/Reuters/AFP
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.