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Leben in Trümmern: Beirut nach der Explosion

Foto: Lorenzo Tugnoli / DER SPIEGEL

Beirut nach der Katastrophe Die verwundete Stadt

Leben in Trümmern: Teile von Beirut sind zerstört. Die Menschen in der libanesischen Hauptstadt kämpfen für ihre Zukunft und gegen die Trauer. Sechs Begegnungen.
Aus Beirut berichten Christoph Reuter, Thore Schröder und Lorenzo Tugnoli (Fotos)

Es war ein schwülheißer Dienstagabend, als die halbe Stadt in die Luft flog. Ein Brand in Lagerhalle zwölf des Hafens von Beirut ließ 2750 Tonnen Ammoniumnitrat in einer gigantischen Detonation explodieren, deren Wucht noch in Zypern und Jordanien zu spüren war.

Durch Libanons Hauptstadt raste in einer Sekunde die Druckwelle, ließ Hunderttausende Fenster bersten, zerriss Türen, Möbel, machte Glassplitter zu Geschossen. Mehr als 200 Menschen starben, fast jeden Tag werden seither weitere Leichen gefunden. Mehr als 6000 wurden verletzt, die Wohnungen von 300.000 Menschen wurden verwüstet. 

Die Zahlen aber bleiben blass. Sie sind zu groß, bleiben unvorstellbar. Sie erzählen nicht, was es bedeutet, wenn mit einem Schlag die Existenz vernichtet wird. Wenn die banale Frage, wo jemand gerade stand, über Leben oder Tod entscheidet. 

Die Schicksale der Einzelnen machen eher spürbar, was geschah: Wie beklemmend das Glück ist, überlebt zu haben neben einer toten Freundin. Wie der libanesische Staat diese Katastrophe durch unfassbare Ignoranz erst geschehen ließ und die Opfer nun abermals im Stich lässt. Oder wie es den Flüchtlingen und sklavenähnlich lebenden Gastarbeitern ergangen ist. 

Auf ganz unterschiedlichen Wegen wehren sich Beiruter dagegen, bloße Opfer zu sein: die 85-jährige Dame mit Nonchalance und Zigaretten, der Chef der nationalen Anwaltskammer mit einer ungewöhnlichen Revolutionserklärung. Beirut ist voller großer Geschichten der kleinen Schicksale. Wir erzählen sechs von ihnen.

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