Solidarität mit Beirut Die Libanon-Zeder auf dem Rathaus von Tel Aviv

Offiziell befinden sich die beiden Länder noch im Krieg. Doch nach der Katastrophe von Beirut hat Israel mit einer ungewöhnlichen Geste sein Mitgefühl mit den Opfern im Libanon ausgedrückt.
Das Rathaus von Tel Aviv leuchtet in den Farben der libanesischen Flagge - bestaunt von Dutzenden Israelis

Das Rathaus von Tel Aviv leuchtet in den Farben der libanesischen Flagge - bestaunt von Dutzenden Israelis

Foto: ABIR SULTAN/EPA-EFE/Shutterstock

Als am Mittwochabend die Dämmerung über Tel Aviv hereinbrach, trug sich am Rathaus der israelischen Mittelmeer-Metropole ein denkwürdiges Schauspiel zu. Die Fenster des 13-stöckigen Gebäudes waren plötzlich rot und weiß illuminiert - und in der Mitte erstrahlte ein grüner Baum: die Libanon-Zeder, Wappenzeichen der libanesischen Flagge.

Der Libanon und Israel unterhalten keine diplomatischen Beziehungen, offiziell befinden sich die Nachbarländer noch im Krieg. Doch nach den verheerenden Explosionen in der libanesischen Hauptstadt mit mehr als Hundert Toten war das Mitgefühl offenbar stärker als die Feindschaft. Am Nachmittag hatte Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu den Menschen im Libanon bereits seine Anteilnahme ausgedrückt. Das Land habe eine große Katastrophe erlitten, schrieb Netanyahu bei Twitter. Der 70-Jährige bot dem Nachbarland erneut humanitäre Unterstützung an, "von Mensch zu Mensch".

Am Abend dann die strahlende Geste der Solidarität in Tel Aviv. In der Nacht zuvor waren bereits der Wolkenkratzer Burj Khalifa in Dubai und die Pyramiden von Gizeh in Ägypten in Libanons Nationalfarben beleuchtet worden. Doch eine israelische Behörde in den Farben des Erzfeindes? Das gab es noch nie.

Beliebtes Fotomotiv: Schaulustige vor dem illuminierten Rathaus

Beliebtes Fotomotiv: Schaulustige vor dem illuminierten Rathaus

Foto: Ilia Yefimovich/ dpa

Humanität sei wichtiger als jeder Konflikt - mit diesen Worten hatte Ron Huldai, Bürgermeister von Tel Aviv, die Aktion zuvor bei Twitter angekündigt. "Unsere Herzen sind nach diesem schrecklichen Unglück bei den Menschen im Libanon."

Die Aktion stieß jedoch nicht bei allen Israelis auf Zuspruch. Israels Minister für Jerusalem-Angelegenheiten, Rafi Peretz, von der nationalreligiösen Siedlerpartei Jüdisches Heim verurteilte die Reaktion auf die Katastrophe in Beirut. Humanitäre Hilfe sei eine Sache, die Flagge eines feindlichen Landes im Herzen Tel Avivs zu zeigen aber sei "moralische Verwirrung".

"Bleib stark, Libanon"

Zu den ersten Ländern, die dem Libanon ihre Hilfe zusagten, gehörten die Golfstaaten. Katar will demnach Feldlazarette zur Versorgung der Tausenden Verletzten schicken. Kuwait sagte die Entsendung medizinischer Nothilfe zu. Jordaniens Außenminister Aiman Safadi erklärte, sein Land sei zu jeder Hilfe bereit, die der Libanon nun benötige.

In seltener Einigkeit hatten sich zuvor auch Iran und die USA bereit erklärt, den Libanon nach der Katastrophe zu unterstützen. US-Präsident Donald Trump sprach sein Beileid aus. "Die Vereinigten Staaten sind bereit, dem Libanon zu helfen", sagte Trump bei einem Briefing im Weißen Haus. Irans Außenminister Mohammed Dschawad Sarif twitterte, sein Land bete für das "großartige und widerstandsfähige Volk des Libanon". Er schloss mit: "Bleib stark, Libanon".

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte dem Libanon Unterstützung zu. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron kündigte die Lieferung "mehrerer Tonnen" medizinischen Hilfsmaterials an.

DER SPIEGEL
mkl/Reuters
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