Gekaperte Ryanair-Maschine Lukaschenko verteidigt erzwungene Flugzeuglandung

Belarus' Machthaber Lukaschenko hat sich erstmals zu der erzwungenen Landung einer Ryanair-Maschine geäußert. Die Aktion hatte international Empörung ausgelöst. Der Diktator wies nun jegliche Vorwürfe zurück.
Foto: Uncredited / dpa

Wegen der erzwungenen Landung einer Ryanair-Maschine gerät Belarus zunehmend international unter Druck. Nun hat sich Machthaber Alexander Lukaschenko erstmals dazu geäußert – und jegliche Vorwürfe im Zusammenhang mit der Aktion und der Festnahme eines Bloggers zurückgewiesen. Es sei vollkommen rechtmäßig vorgegangen worden, zitierte die Nachrichtenagentur Belta den autoritär regierenden Präsidenten.

»Ich habe rechtmäßig gehandelt, um die Menschen zu schützen, in Übereinstimmung mit allen internationalen Vorschriften«, sagte er demnach vor dem belarussischen Parlament. Mit der Kritik am Vorgehen des Landes würden »rote Linien überschritten«, sagte Lukaschenko. Belarus nicht wohlgesonnene Menschen hätten die Absicht, das Land zu erwürgen.

Ohne weitere Erläuterung behauptete der Machthaber, Belarus habe aus der Schweiz die Information bekommen, dass sich ein Sprengsatz an Bord des Flugzeugs befinde. Deshalb sei das Flugzeug, das auf dem Weg nach Litauen war, mit Unterstützung eines Kampfjets nach Minsk umgeleitet worden. »Dass die Maschine mit einem Kampfjet vom Typ MiG-29 zur Landung gezwungen wurde, ist eine absolute Lüge!«, sagte Lukaschenko. Belarus habe aus Sicherheitsgründen gehandelt, weil das Flugzeug über das Atomkraftwerk des Landes geflogen sei.

Es war Lukaschenkos erste öffentliche Stellungnahme zu dem Vorfall. Belarus hatte am Sonntag eine Ryanair-Maschine auf dem Weg von Athen nach Vilnius unter dem Vorwand einer Bombendrohung und mit einem Kampfjet zur Zwischenlandung in Minsk gezwungen. Kritiker werfen ihm einen gefährlichen Eingriff in den Luftverkehr und staatliche sanktionierte Luftpiraterie vor.

Nach der Landung in Minsk wurden der im Exil lebende Roman Protassewitsch  und seine aus Russland stammende Freundin Sofja Sapega, die sich an Bord der Maschine befanden, festgenommen. Der Blogger befindet sich nach Angaben des belarussischen Innenministeriums im »Untersuchungsgefängnis Nummer 1« in Minsk.

Uno-Sicherheitsrat berät über erzwungene Landung

Die 23-jährige Sapega muss nach Angaben des russischen Außenministeriums eine Anklage in Belarus fürchten. Sie stehe »in Verbindung mit dem Verdacht, zwischen August und September 2020 gegen mehrere Artikel des belarussischen Kriminalkodexes verstoßen zu haben«, hieß es am Dienstag laut der Nachrichtenagentur Reuters in einem Statement des Moskauer Außenministeriums.

Die erzwungene Landung und die Festnahmen hatten international scharfe Proteste ausgelöst. Unter anderem vereinbarte die EU Sanktionen gegen Belarus, etwa auch ein Flugverbot für Fluggesellschaften der Ex-Sowjetrepublik (mehr dazu lesen Sie hier), wobei sich gegen diese Maßnahme Kritik regt. Zahlreiche Länder forderten die Freilassung der Festgenommenen, darunter auch Bundeskanzlerin Angela Merkel und Außenminister Heiko Maas.

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Angesichts der engen Beziehungen zwischen Minsk und Moskau mehren sich die Spekulationen über eine russische Beteiligung an dem Vorgang. »Dass es ein enges Verhältnis zwischen Belarus und Russland gibt, das ist bekannt«, sagte Merkel. Ebenfalls am Mittwoch befasst sich der Uno-Sicherheitsrat hinter verschlossenen Türen mit dem Fall.

asc/Reuters/AFP
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