Repressionen durch Lukaschenko Behörden sperren Website der ältesten unabhängigen Zeitung in Belarus

Erst im Mai sperrten die Behörden in Belarus das Nachrichtenportal Tut.by. Nun nimmt das Lukaschenko-Regime den Onlineauftritt der unabhängigen Zeitung »Nascha Niwa« vom Netz. Der Chefredakteur wurde festgenommen.
Der belarussische Machthaber Alexander Lukaschenko schränkt die Pressefreiheit immer weiter ein (Archivbild)

Der belarussische Machthaber Alexander Lukaschenko schränkt die Pressefreiheit immer weiter ein (Archivbild)

Foto: SPUTNIK / via REUTERS

Die Behörden in Belarus verschärfen ihren Kurs gegen die letzten unabhängigen Medien des Landes. Wie das Informationsministerium laut der Nachrichtenagentur AFP mitteilte, wurde der Onlineauftritt der »Nascha Niwa«, der ältesten unabhängigen Zeitung des Landes, gesperrt. Der Zeitung werde die Veröffentlichung »illegaler Inhalte« vorgeworfen, hieß es.

In der Redaktion der Zeitung habe es einen Polizeieinsatz gegeben, teilte die Menschenrechtsorganisation Wjasna unter Berufung auf Augenzeugen mit. Die Redaktion erklärte im Messengerdienst Telegram, sie könne mehrere Mitarbeiter nicht mehr erreichen, darunter auch Chefredakteur Jegor Martinowitsch. Zudem gab es an dessen Wohnsitz eine Durchsuchung, der Journalist wurde Videoaufnahmen zufolge von Vermummten abgeführt.

Behörden blockieren weitere Nachrichtenseiten

Auch der Chefredakteur der unabhängigen Nachrichten-Website Orsha.eu, Igor Kasmertschaka, wurde laut dem belarussischen Journalistenverband festgenommen. Zeitweise war auch die Website des IT-Onlinemagazins Dev.by nicht erreichbar. Inzwischen ist die Plattform aber wieder abrufbar.

Das Vorgehen gegen die Presse folgt auf eine groß angelegte Aktion gegen das populäre Internetportal Tut.by im Mai. Damals hatten die Ermittlungsbehörden die Redaktionsräume von Tut.by durchsucht und mindestens 13 Mitarbeiter festgenommen.

Der seit fast drei Jahrzehnten regierende Lukaschenko war trotz massiver Betrugsvorwürfe nach der Wahl im August 2020 offiziell zum Sieger erklärt worden. Dies löste historische Massenproteste aus, die von den Sicherheitskräften brutal niedergeschlagen wurden. Die USA und die EU erkennen das Ergebnis wegen massiver Betrugsvorwürfe nicht an.

Journalisten, die über die Demonstrationen berichtet hatten, gerieten in den vergangenen Monaten zunehmend unter Druck. Mehrere Medienschaffende wurden zu langen Freiheitsstrafen verurteilt. Ende Mai wurde zudem der im Exil lebende Blogger Roman Protassewitsch nach einer erzwungenen Flugzeuglandung in Minsk festgenommen.

fek/heb/AFP
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