Mann der Oppositionsführerin Tichanowskaja Belarussischer Blogger Sergej Tichanowski muss 18 Jahre ins Gefängnis

Sergej Tichanowski wollte Belarus' Machthaber Lukaschenko bei der Präsidentenwahl herausfordern – nun muss er 18 Jahre ins Straflager. Seine Frau, Oppositionsführerin Swetlana Tichanowskaja, wertet das Urteil als Racheakt.
Oppositionsführerin Swetlana Tichanowskaja mit einem Foto ihres Mannes im Juni in Prag

Oppositionsführerin Swetlana Tichanowskaja mit einem Foto ihres Mannes im Juni in Prag

Foto: Vondrouö Roman / dpa

Der bekannte belarussische Blogger Sergej Tichanowski ist zu 18 Jahren Haft verurteilt worden. Der 43-Jährige müsse wegen »Vorbereitung und Organisation von Massenaufständen« unter besonders harten Haftbedingungen ins Straflager, meldete die staatliche belarussische Nachrichtenagentur Belta unter Berufung auf das Gericht der Stadt Gomel im Osten des Landes.

Der Ehemann der Oppositionsführerin Swetlana Tichanowskaja war kurz nach Bekanntgabe seiner Kandidatur für die Präsidentschaftswahl im vergangenen Jahr festgenommen worden. Neben ihm wurden nun auch fünf weitere Mitangeklagte zu Gefängnisstrafen zwischen 14 und 16 Jahren verurteilt, darunter der Oppositionspolitiker Nikolaj Statkewitsch.

Tichanowski wollte ursprünglich bei der Präsidentenwahl im vergangenen Jahr gegen Machthaber Alexander Lukaschenko kandidieren, wurde dann aber festgenommen. An seiner Stelle kandidierte seine Frau Swetlana, die viele als die wahre Siegerin der von massivem Betrug überschatteten Wahl ansehen und die mittlerweile ins EU-Land Litauen geflohen ist. Lukaschenko hatte laut Angaben offizieller Stellen die Wahl angeblich gewonnen; weder die EU, die USA noch eine Reihe weiterer Staaten erkennen das von den belarussischen Behörden genannte Ergebnis an.

Tichanowskaja hatte das Urteil gegen ihren Mann, das im Gefängnis unter Ausschluss der Öffentlichkeit verlesen wurde, bereits zuvor als »rechtswidrig« bezeichnet. »Der Diktator rächt sich öffentlich an seinen stärksten Widersachern«, schrieb die im Exil lebende Oppositionsführerin auf Twitter. »Die ganze Welt schaut zu. Wir werden nicht aufhören.«

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Twitter, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Der Prozess gegen Tichanowski und die weiteren Angeklagten fand seit Juni unter Ausschluss der Öffentlichkeit in einer Haftanstalt statt. Vor Tichanowski waren bereits weitere prominente Figuren der Oppositionsbewegung verurteilt worden. So erhielt etwa Maria Kolesnikowa, die lange als Kulturmanagerin in Stuttgart gearbeitet hatte, elf Jahre Lagerhaft. Der Oppositionspolitiker Viktor Babariko wurde zu 14 Jahren verurteilt.

fek/AFP/Reuters/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.