Ryanair-Maschine zur Landung gezwungen Belarus fängt Flugzeug ab, EU-Politiker verlangen Konsequenzen

Politiker in Deutschland und anderen EU-Staaten zeigen sich empört über den Vorfall am Flughafen Minsk. Sie sprechen von »Entführung«, »Piraterie« – und stellen eine scharfe Reaktion in Aussicht.
Ryanair-Maschine am Flughafen Minsk: »Akt von Staatsterrorismus«

Ryanair-Maschine am Flughafen Minsk: »Akt von Staatsterrorismus«

Foto: - / AFP

Ein Mann möchte von einem EU-Land (Griechenland) in ein anderes (Litauen) fliegen – doch die Maschine wird über Belarus zur Landung gezwungen. Dort bemächtigen sich Sicherheitsleute des Ryanair-Flugzeugs und nehmen den Mann fest. So ist es an diesem Sonntag dem belarussischen Regimekritiker Roman Protasewitsch ergangen. Dutzende Passagiere sitzen fest. (Aktuelle Informationen zu dem Fall lesen Sie hier.)

Europaweit äußern Politikerinnen und Politiker Entsetzen, sprechen von »Entführung« und »Piraterie«.

CDU-Chef und Kanzlerkandidat Armin Laschet erklärte via Twitter: »Wenn Belarus die Freiheit der zivilen Luftfahrt bei einem Flug zwischen zwei Mitgliedstaaten der Europäische Union bedroht, muss sich der Europäische Rat mit Konsequenzen befassen.« Der verhaftete Oppositionelle sei unverzüglich freizulassen. Am Montag beginnt in Brüssel ein EU-Sondergipfel der Staats- und Regierungschefs.

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Auch der litauische Präsident Gitanas Nausėda protestierte gegen die erzwungene Zwischenlandung und die Festnahme. »Ich rufe die Verbündeten in Nato und EU auf, unverzüglich auf die Bedrohung zu reagieren, die das belarussische Regime für die internationale Zivilluftfahrt ausgelöst hat«, erklärte er. Litauen lud den belarussischen Botschafter vor.

Der griechische Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis bezeichnete den Vorfall als »beispiellos und schockierend«.

Die belarussische Oppositionsführerin Swetlana Tichanowskaja erklärte, Belarus habe für die Festnahme die Sicherheit der Passagiere und der Zivilluftfahrt aufs Spiel gesetzt.

Deutschland verlangte eine Stellungnahme von Belarus. Die dortige Regierung müsse sich umgehend zu der Umleitung des Flugs und der berichteten Festnahme eines Journalisten erklären, twitterte der Staatssekretär des Auswärtigen Amts, Miguel Berger.

Der CDU-Außenpolitiker Norbert Röttgen reagierte noch schärfer. »Wenn sich die Informationen bestätigen, handelt es sich um einen unfassbaren Fall von Staatsterrorismus«, sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. »Dieser müsste eindeutige Konsequenzen nach sich ziehen.«

EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen erklärte, der Vorfall sei inakzeptabel. Verletzungen der internationalen Luftverkehrsregeln müssten Konsequenzen nach sich ziehen. Sie forderte zudem Belarus auf, allen Passagieren der Ryanair-Maschine unverzüglich die Weiterreise nach Vilnius zu ermöglichen. Ähnlich äußerte sich der französische Außenminister Jean-Yves Le Drian.

Der polnische Ministerpräsident Mateusz Morawiecki charakterisierte das Vorgehen von Belarus gar als »Akt des Staatsterrorismus«. Er verurteile »auf das Schärfste die Festnahme von Roman Prosatewitsch durch belarussische Behörden, nachdem ein Passagierflugzeug von Ryanair entführt worden ist«, erklärte Morawiecki per Twitter.

Schwedens Außenministerin Ann Linde twitterte, die Berichte seien sehr bestürzend. »Völlig inakzeptables und rücksichtsloses Verhalten«, schrieb sie. Ihr Landsmann Carl Bildt, von 2006 bis 2014 schwedischer Außenminister, sprach auf Twitter davon, das sei »schlicht und einfach Piraterie«.

Die Fluglinie Ryanair hat unterdessen bestätigt, dass einer ihrer Flieger auf dem Weg von Athen in die litauische Hauptstadt Vilnius nach Belarus umgeleitet worden ist. Die Besatzung des Flugs sei von belarussischer Seite über eine mögliche Sicherheitsbedrohung an Bord in Kenntnis gesetzt und angewiesen worden, zum nächstgelegenen Flughafen in Minsk zu fliegen, teilte die Airline mit.

Die Maschine sei sicher gelandet, und die Passagiere seien von Bord gegangen, während die lokalen Behörden Sicherheitsüberprüfungen durchgeführt hätten. Dabei sei nichts Ungewöhnliches gefunden worden. Die Behörden hätten daraufhin genehmigt, dass das Flugzeug nach schätzungsweise fünf Stunden am Boden wieder zusammen mit Passagieren und Crew starten könne. Gerechnet werde mit einem Abflug gegen 19 Uhr Ortszeit (18 Uhr MESZ).

Zu Protasewitschs Festnahme machte Ryanair keine Angaben.

wal/Reuters/dpa