Krise zwischen Polen und Belarus Hunderte Migranten hoffen weiter auf Grenzöffnung

Erst campierten sie am Grenzzaun, nun schlafen sie in einer Lagerhalle: An Europas Außengrenze wollen rund tausend Menschen die Hoffnung auf ein glückliches Ende der Krise nicht aufgeben. Viele würden gerne weiter nach Deutschland.
Schutzsuchende im Logistikzentrum Bruzgi an der Grenze zu Polen (Aufnahme vom 1. Dezember)

Schutzsuchende im Logistikzentrum Bruzgi an der Grenze zu Polen (Aufnahme vom 1. Dezember)

Foto: Oksana Manchuk / AP

Noch immer harren Hunderte Schutzsuchende in Belarus an der Grenze zu Polen aus. »Wir sind noch 900 bis 1000, darunter viele Kinder«, sagte der 25-jährige Iraker Gaschtjar in der Notunterkunft in einem Logistikzentrum in Bruzgi am Montag der Deutschen Presse-Agentur. Der gelernte Krankenpfleger, der Deutsch spricht, hofft, dass die neue Bundesregierung auch nach dem Besuch von Kanzler Olaf Scholz in Polen am Sonntag Fortschritte in der Migrationskrise erreicht. Die EU und auch Deutschland haben das allerdings bisher nicht in Aussicht gestellt.

Seit dem Sommer hat der belarussische Diktator Alexander Lukaschenko Tausende Menschen aus Krisenregionen nach Minsk einfliegen lassen und sie an die Grenze zu Polen getrieben. Lukaschenko will sich so für die Sanktionen rächen, die der Westen erließ, nachdem der Diktator ein Ryanair-Flugzeug entführt hatte.

3000 Migranten kehrten zurück in ihre Heimat

Lukaschenko beklagte sich in Minsk, dass die EU in der Frage der Migranten seit Wochen nichts mehr unternehme. Er hatte zweimal mit Angela Merkel telefoniert. Anschließend hatte er behauptet, Deutschland sei bereit, einige der Migranten aufzunehmen. In Berlin wurde das aber umgehend dementiert.

In den vergangenen Wochen verließen mehr als 3000 Migranten Belarus Richtung Irak oder Syrien. Lukaschenko behauptete in einem Interview mit dem türkischen Staatsfernsehsender TRT, dass es sich dabei um freiwillige Rückkehrer handele. Gezwungen werde niemand, betonte Lukaschenko. »Wir machen alles so, wie sie es wollen. Das sind Hungerleider, arme Menschen, die vor Krieg flüchten. Sie haben wirklich kein Zuhause in ihrer Heimat.«

In dem Interview drohte Lukaschenko erneut damit, den Gastransit durch die russisch-europäische Jamal-Pipeline zu stoppen, sollte der Sanktionsdruck auf das Land zu hoch werden. Die durch diese Leitung fließenden Mengen sind für den Gasmarkt in der EU zwar vergleichsweise gering. Der Kreml in Moskau reagierte trotzdem prompt und meinte, dass Russland verlässlicher Energielieferant bleiben wolle.

slü/dpa
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