Belarus Regierungsgegner nach brutaler Attacke in Minsk gestorben

In der belarussischen Hauptstadt ist Berichten zufolge ein 31-Jähriger derart von Maskierten verletzt worden, dass er später im Krankenhaus starb. Auslöser waren offenbar flatternde Bänder in den Farben der Opposition.
Demonstranten mit den Farben der Protestbewegung Ende Oktober in Minsk (Symbolbild)

Demonstranten mit den Farben der Protestbewegung Ende Oktober in Minsk (Symbolbild)

Foto:

STRINGER / AFP

Im Zuge der Massenproteste in Belarus gegen Machthaber Alexander Lukaschenko hat das brutale Vorgehen der Sicherheitsbehörden und maskierten Schlägertrupps international für Entsetzen gesorgt. Nun berichten belarussische Medien über den Tod eines jungen Mannes in Minsk.

Dem unabhängigen Nachrichtenportal Tut.by zufolge  wurde der 31-jährige Roman Bondarenko am Mittwochabend in der belarussischen Hauptstadt von Maskierten attackiert und schwer verletzt. Das berichtete auch Radio Swaboda . Beide Medien berufen sich auf Augenzeugen.

Anschließend brachten ihn die Unbekannten in einem Kleinbus in eine Polizeistation, von dort aus wurde er in ein Krankenhaus gefahren, meldeteten die Medien. Dort stellten die Ärzte laut Radio Swaboda schwere Hirnverletzungen fest.

Das Vorgehen der Maskierten ist aus zahlreichen Berichten über Attacken und Entführungen der belarussischen Sicherheitskräfte bekannt. Die Polizei hat laut Tut.by Ermittlungen eingeleitet.

Die Versuche der Ärzte, Bondarenkos Leben zu retten, sind den Medien zufolge erfolglos geblieben. Seine Familie bestätigte, dass er seinen Verletzungen erlegen sei. In den sozialen Medien wurde ein Video geteilt, das Augenzeugen von der Attacke auf Bondarenko aufnahmen.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Twitter, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Die Behörden behaupten dagegen, der 31-Jährige sei von der Polizei bewusstlos in dem Hof gefunden worden, man habe einen Krankenwagen gerufen. Dem widersprechen Augenzeugen, mit denen Radio Swaboda gesprochen hat, sie hätten am Mittwochabend keinen Krankenwagen gesehen.

Dem Angriff war den Berichten zufolge ein Streit über Bänder in den weiß-rot-weißen Farben der Protestbewegung vorausgegangen, die im Hof des Opfers an einem Zaun befestigt waren.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Twitter, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

"Platz des Wandels" wird der Hof genannt, ist ein bekannter Treffpunkt von Oppositionellen in Minsk. Am Donnerstagabend versammelten sich dort Hunderte Menschen, um des Opfers zu gedenken, wie in Videos in sozialen Medien zu sehen war.

In den Medien wurde Bondarenko in Uniform gezeigt. Er habe früher bei den inneren Truppen gedient, sagte seine Schwester. Zuletzt hatte er nach ihren Angaben als Leiter eines Reinigungsgeschäfts gearbeitet. Sie kündigte an, mithilfe eines Anwalts die Umstände des Todes ihres Bruders untersuchen zu wollen.

In den vergangenen drei Monaten hatten immer wieder Zehntausende Menschen gegen Lukaschenko protestiert. Er hatte sich zum Sieger der Präsidentschaftswahl erklären lassen. Die Behörden gingen immer wieder gewaltsam gegen friedliche Demonstranten vor.

Die Abstimmung vom 9. August wurde von massiven Betrugsvorwürfen überschattet. Auch die EU bezeichnete die Wahl als weder frei noch fair und verhängte Sanktionen gegen politisch Verantwortliche in dem Land. Die Opposition hat zwar viel Zuspruch aus dem Ausland erhalten, bisher jedoch nicht die Macht Lukaschenkos brechen können.

heb/mes/AFP