Belarussische Oppositionelle Maria Kalesnikava nach Klinikaufenthalt wieder in Strafkolonie

Die belarussische Oppositionelle Maria Kalesnikava ist eine der wichtigsten Wortführerinnen gegen Machthaber Lukaschenko – und seit zwei Jahren inhaftiert. Nun durfte sie ihr Vater nach einer Notbehandlung sehen.
Die belarussische Oppositionelle Maria Kalesnikava im Sommer 2020 in Minsk

Die belarussische Oppositionelle Maria Kalesnikava im Sommer 2020 in Minsk

Foto: Misha Friedman / Getty Images

Die in Belarus inhaftierte Regierungskritikerin Maria Kalesnikava ist nach einem Krankenhausaufenthalt zurück in ihr Gefängnis gebracht worden. Das bestätigte ein Sprecher des ebenfalls inhaftierten Oppositionellen Wiktor Babariko unter Berufung auf ihren Vater. Dieser habe seine Tochter demnach in der Strafkolonie für rund zehn Minuten besuchen dürfen. Er konnte sich vergewissern, dass sie am Leben ist. Sie habe stark abgenommen und besitze wenig Kraft.

Kalesnikava gehört zu den bekanntesten Gesichtern der Opposition in Belarus. Anfang September 2020 wurde sie vom Geheimdienst KGB in Minsk entführt. Als sie in die Ukraine abgeschoben werden sollte, zerriss sie kurz vor dem Grenzübergang ihren Pass und vereitelte so Pläne, sie aus dem Land zu vertreiben. Seither sitzt sie trotz internationalen Protests in Haft.

Mitte vergangener Woche war sie auf die Intensivstation eines Krankenhauses in Gomel eingeliefert worden. Laut ihrem Vater soll sie wegen eines Geschwürs behandelt worden sein. Sie werde nun von einem Ärzteteam auf der Krankenstation ihres Gefängnisses betreut. Kalesnikava habe darum gebeten, den Ärztinnen und Ärzten der Krankenambulanz von Gomel dafür zu danken, dass sie ihr Leben gerettet hätten.

Bekannte Gegenspielerin

Kalesnikava hatte für den ehemaligen Bankier Babariko gearbeitet, der ursprünglich gegen den Machthaber Alexander Lukaschenko bei der Präsidentenwahl im August 2020 kandidieren wollte, dann aber inhaftiert wurde. Sie war zusammen mit Swetlana Tichanowskaja und Veronika Zepkalo als Gegnerin von Lukaschenko international bekannt geworden (lesen Sie hier ein Interview mit ihr).

Nach der weithin als gefälscht eingeschätzten Wahl schloss sie sich den Massenprotesten an. Zeitweilig gingen mehr als 100.000 Menschen auf die Straße – allen staatlichen Widerständen zum Trotz. Sicherheitskräfte gingen massiv gegen die Demonstrierenden vor.

Insgesamt wurden in Belarus im Zuge der Proteste Zehntausende Menschen festgenommen, Hunderte wurden verletzt. Mehrere Menschen wurden getötet. Lukaschenko hatte sich nach 26 Jahren an der Macht mit 80,1 Prozent angeblicher Zustimmung erneut zum Präsidenten erklären lassen. Die Demokratiebewegung hingegen sieht Tichanowskaja als Siegerin der Wahl.

mrc/heb
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