Belarus Schüsse und Detonationen bei Demonstration gegen Lukaschenko

Mehr als hunderttausend Menschen haben in Minsk gegen den belarussischen Machthaber Lukaschenko demonstriert. Als sich der Protest auflöste, eskalierte die Situation.
Sicherheitskräfte in Minsk: Gegen Ende des Protests eskalierte die Situation

Sicherheitskräfte in Minsk: Gegen Ende des Protests eskalierte die Situation

Foto: - / dpa

Bei einer Massendemonstration gegen den belarussischen Machthaber Alexander Lukaschenko sind am Sonntag Schüsse gefallen. Unabhängige Medien berichteten, dass Sicherheitskräfte in Hinterhöfen der Orlowskaja-Straße zudem Blendgranaten detonieren ließen.

Mehr als hunderttausend Menschen waren in der Hauptstadt Minsk auf die Straße gegangen. Sie fordern den Rücktritt von Machthaber Lukaschenko. Augenzeugen zufolge eskalierte die Situation, als sich die Demonstration auflöste. Videos zeigen, wie Demonstranten in Hinterhöfe rennen, außerdem sind Detonationen, Blitze und Rauch zu sehen und Schüsse zu hören.

Ein Reporter der kremlkritischen russischen Zeitung "Nowaja Gazeta" berichtete von vor Ort, dass Sicherheitskräfte mit Gummigeschossen auf Demonstranten zielten. Laut der unabhängigen belarussischen Zeitung "Nascha Niwa" wurde mindestens ein Mensch verletzt.

Festnahme bei Protest in Minsk: Sicherheitskräfte führen zwei Männer ab

Festnahme bei Protest in Minsk: Sicherheitskräfte führen zwei Männer ab

Foto: STRINGER / AFP

Die Menschenrechtsorganisation Wjesna berichtete von mehreren Verletzten und rund hundert Festnahmen - auch in anderen Städten des Landes. Bilder der Nachrichtenagentur Ria Nowosti zeigen, wie Sicherheitskräfte in Minsk Festgenommene über den Asphalt schleiften, auf den Boden drückten, sie mit Kabelbinder fesselten. In der Stadt Lida setzten Sicherheitskräfte Tränengas gegen Demonstrantinnen und Demonstranten ein.

Lukaschenko lässt Ultimatum verstreichen

Das belarussische Innenministerium bestätigte für die Demonstration in Minsk den Einsatz der Spezialmittel gegen "gewaltbereite Demonstranten". Es teilte der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Ria mit, die Demonstranten hätten versucht, Sicherheitskräfte anzugreifen. Diese Information ließ sich zunächst nicht unabhängig überprüfen.

Seit der umstrittenen Präsidentschaftswahl am 9. August gehen die Menschen in Belarus gegen Lukaschenko auf die Straße. Die große Sonntagsdemonstration stand diesmal im Zeichen eines Volksultimatums der Bürgerrechtlerin Swetlana Tichanowskaja. Die 38-Jährige, die bei der Wahl gegen den Machthaber angetreten war, hatte Lukaschenko eine Frist bis zum 25. Oktober gesetzt, um zurückzutreten und den Weg für Neuwahlen freizumachen.

Sollten die Forderungen nicht erfüllt werden, werde das ganze Land zu einem großen Generalstreik zusammenkommen, hatte Tichanowskaja angekündigt. Am 26. Oktober werde es "einen landesweiten Streik aller Unternehmen, die Blockade aller Straßen, den Zusammenbruch des Verkaufs in staatlichen Geschäften geben". Zwar hat Lukaschenko einige Gefangene aus dem Gefängnis entlassen, mehr Entgegenkommen ist aber nicht in Sicht.

Als Reaktion auf die Gewalt gegen Demonstranten am Sonntag rief Tichanowskaja bereits vor Ablauf des Ultimatums zum Streik auf.

brk/heb/dpa/Reuters
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