Belarus Opposition kündigt Massenstreiks gegen Lukaschenko an

Die Opposition in Belarus will den Druck auf Machthaber Lukaschenko weiter erhöhen. Sie kündigte landesweite Streiks an - und gab die Gründung einer neuen Partei bekannt.
Maria Kolesnikowa

Maria Kolesnikowa

Foto: Dmitri Lovetsky / dpa

Seit rund vier Wochen protestieren die Menschen in Belarus nach den umstrittenen Wahlen gegen den Autokraten Alexander Lukaschenko. Doch der Präsident hält sich noch immer an der Macht. Jetzt kündigt die Opposition den angeblich größten Streik in der Geschichte des Landes an. Am Dienstag solle niemand zur Arbeit gehen, hieß es in einer Ankündigung. "Wir laden alle ein, Solidarität zu zeigen und die Arbeit einzustellen."

Gleichzeitig gab die Demokratiebewegung um die Oppositionelle Maria Kolesnikowa die Gründung einer Partei zur Erneuerung des Landes bekannt. Die politische Kraft mit dem Namen Wmestje - zu Deutsch: Miteinander - solle den Menschen, die Veränderungen wollten, eine Basis geben, sagte die 38-Jährige.

Kolesnikowa gilt als eine der wichtigsten Personen in der Bürgerbewegung gegen den umstrittenen Staatschef. Der Miteinander-Partei gehe es darum, Verantwortung zu übernehmen für den Aufbau einer neuen Gesellschaft, sagte Kolesnikowa. Sie sei nötig, um engagierten Bürgern eine politische Heimat zu geben.

Kolesnikowa arbeitet für den Ex-Bankenchef Viktor Babariko, der für das Präsidentenamt kandidieren wollte. Lukaschenko ließ ihn aber vor der Wahl verhaften, das Strafverfahren gilt als politisch motiviert.

"Lasst uns zeigen, dass Lukaschenko kein Schuldirektor ist"

In Belarus gibt es seit rund drei Wochen Streiks und Proteste, denen sich Hunderttausende Menschen angeschlossen haben. Auslöser war die von Fälschungsvorwürfen überschattete Wahl, bei der sich Lukaschenko mit mehr als 80 Prozent der Stimmen zum Wahlsieger erklären ließ. Der 66-Jährige ist bereits seit 26 Jahren an der Macht, der Wahlsieg wäre der sechste in Serie. Die Demokratiebewegung sieht die Oppositionelle Swetlana Tichanowskaja als Gewinnerin der Wahl.

Am 1. September beginnt in den meisten Ex-Sowjetrepubliken auch traditionell das neue Schuljahr. "Lasst uns zeigen, dass Lukaschenko kein Schuldirektor ist", hieß es weiter. Auch Tichanowskaja rief die Lehrer aus ihrem Exil im EU-Land Litauen in einem Video auf, den Schülern die Wahrheit zu sagen. "Lasst uns die Schule und den guten Namen der Lehrer von Heuchelei und Angst reinigen", sagte die zweifache Mutter, die selbst als Fremdsprachenlehrerin gearbeitet hatte. Die Schule sei ein Ort, an dem es auch fragwürdige Machenschaften gebe. Zu Schulbeginn müssten die Lehrer den Eltern und Kindern wieder in die Augen schauen und ehrlich sein.

als/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.