Konflikt mit Belarus Polen stoppt weitere Migranten an Grenze

Der belarussische Diktator Lukaschenko schickt Schutzsuchende aus dem Nahen Osten zur EU-Außengrenze. Polens Grenzpolizei hat erneut Hunderte beim illegalen Übertritt aufgegriffen – und auch Schleuser festgenommen.
Polnische Polizisten bewachen die neu befestigte Grenze zu Belarus

Polnische Polizisten bewachen die neu befestigte Grenze zu Belarus

Foto: Sergei Bobylev / ITAR-TASS / IMAGO

Die Lage im Grenzgebiet zwischen Polen und Belarus bleibt angespannt. Polens Grenzschutz hat am Donnerstag mindestens 375 Versuche von Migrantinnen und Migranten registriert, von Belarus aus die Grenzsperren zu überwinden und in die EU zu gelangen. In der Nähe der Ortschaft Czeremsza habe eine Gruppe von 232 Personen den Grenzzaun beschädigt und sei einige Meter auf polnisches Gebiet vorgedrungen, sagte eine Sprecherin der Behörde. Die Sicherheitskräfte hätten die Gruppe wieder zurückgebracht. Fünf Migranten seien wegen Erschöpfung ins Krankenhaus eingeliefert worden.

Nach Angaben der Polizei wurden drei mutmaßliche Schleuser festgenommen, darunter zwei Ukrainer und ein Schwede syrischer Herkunft. Sie seien mit insgesamt 14 Schutzsuchenden unterwegs gewesen. Da Polen keine Journalistinnen und Journalisten in das Gebiet lässt, lassen sich die Angaben nicht unabhängig überprüfen.

Von belarussischer Seite hieß es, dass weiter etwa 2000 Menschen nahe der Grenze in einer Notunterkunft ausharren und auf eine Weiterreise nach Deutschland hoffen. Viele Menschen bräuchten mittlerweile medizinische Hilfe, etwa wegen Erkältungen, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Belta.

Gezielte Schleusungen

Seit Wochen versuchen Tausende Migrantinnen und Migranten, von Belarus über die EU-Außengrenzen nach Polen oder in die baltischen Staaten zu gelangen. Die EU wirft dem autoritären belarussischen Machthaber Alexander Lukaschenko vor, gezielt Menschen aus Krisenregionen in Nahost und Afrika einzufliegen und an die polnische Grenze zu leiten.

DER SPIEGEL

SPIEGEL-Recherchen zeigen, dass Lukaschenko zu diesem Zweck ein System nutzte, das bis in die Türkei, in den Libanon, nach Jordanien, Syrien und Dubai reicht. Die Menschen stammen hauptsächlich aus dem Irak, Afghanistan und Syrien. Inzwischen nehmen verschiedene Airlines aufgrund des Drucks der EU keine Menschen aus bestimmten Staaten mehr an Bord nach Minsk.

Die geschäftsführende Kanzlerin Angela Merkel (CDU) will am heutigen Donnerstag bei einem Treffen in Berlin mit Polens Regierungschef Mateusz Morawiecki über die Lage der Migranten beraten.

mrc/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.