Proteste nach umstrittener Wahl Sicherheitskräfte schossen in Belarus auf Demonstranten

Mindestens ein Mensch wurde angeblich verletzt: Bei Protesten nach dem umstrittenen Wahlsieg von Präsident Lukaschenko setzte die Polizei in Belarus in einer Stadt Schusswaffen gegen Demonstranten ein.
Polizeieinsatz in Minsk (Archivbild)

Polizeieinsatz in Minsk (Archivbild)

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STR/EPA-EFE/Shutterstock

Bei den Protesten in Belarus hat die Polizei nach eigenen Angaben auch mit scharfer Munition auf Demonstranten geschossen. Es seien Schusswaffen bei den Protesten in der Stadt Brest im Südwesten des Landes zum Einsatz gekommen, teilte das Innenministerium am Mittwoch zunächst mit. Mehreren Medienberichten zufolge hat die Sprecherin ihre Stellungnahme später geändert und statt von Schusswaffen nur noch von Waffen gesprochen. Mindestens ein Mensch wurde demnach verletzt.

Zu dem Waffeneinsatz kam es demnach am Dienstag bei den Protesten gegen die umstrittene Wiederwahl von Präsident Alexander Lukaschenko. "Eine Gruppe aggressiver Bürger mit Metallstangen in den Händen griff Polizeimitarbeiter in Brest an", behauptete eine Sprecherin des Innenministeriums. Daraufhin seien Waffen zum "Schutz des Lebens und der Gesundheit" der Sicherheitskräfte zum Einsatz gekommen. "Einer der Angreifer" sei verletzt worden.

Seit der umstrittenen Wahl vom Sonntag gehen landesweit Anhänger der Opposition auf die Straße. Dabei ging die Polizei auch in der Hauptstadt Minsk brutal mit Gummigeschossen und Tränengas gegen Demonstranten vor. Am Montag war nach Regierungsangaben ein Demonstrant getötet worden, als ein Sprengsatz in seinen Händen explodierte.

Schon mehr als 6000 Festnahmen

Am Mittwoch gab es weitere Proteste, bei denen mehr als 1000 Menschen festgenommen wurden. Den Behörden zufolge wurden 50 Menschen mit Verletzungen im Krankenhaus behandelt. Zudem seien 14 Uniformierte verletzt worden. Einige von ihnen hätten in Kliniken gebracht werden müssen. In 17 Fällen werde nun wegen Angriffen auf die Sicherheitskräfte ermittelt.

Damit gab es in den vergangenen Tagen bereits mehr als 6000 Festnahmen. Seit Sonntag gehen die Menschen jeden Abend gegen Fälschungen bei der Präsidentenwahl auf die Straße. Es sind die größten Proteste, die die Ex-Sowjetrepublik je erlebt hat.

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Am Dienstag hatte sich die Präsidentenkandidatin Swetlana Tichanowskaja im EU-Nachbarland Litauen in Sicherheit gebracht. In einer Videobotschaft hatte sie die Demonstranten dazu aufgerufen, zu Hause zu bleiben. Das Video soll Berichten zufolge unter Druck der Behörden noch vor ihrer Ausreise aufgenommen worden sein.

Die 37-Jährige wird von ihren Unterstützern als Siegerin der Abstimmung vom Sonntag gesehen. Lukaschenko hatte von der Wahlkommission 80 Prozent der Stimmen zugesprochen bekommen, Tichanowskaja dagegen nur 10 Prozent. Auch die Bundesregierung und die EU haben massive Zweifel an dem Ergebnis geäußert.

als/AFP/dpa
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