Proteste in Belarus Tausende Frauen demonstrieren gegen Lukaschenko

In Belarus ist der Widerstand gegen den umstrittenen Staatschef Alexander Lukaschenko ungebrochen. Wieder gingen im ganzen Land Tausende auf die Straßen, darunter viele junge Frauen.
In Minsk sind an diesem Samstag Tausende Frauen auf die Straße gegangen, um gegen Staatschef Alexander Lukaschenko zu demonstrieren

In Minsk sind an diesem Samstag Tausende Frauen auf die Straße gegangen, um gegen Staatschef Alexander Lukaschenko zu demonstrieren

Foto: EPA-EFE / Shutterstock

Mit weiß-rot-weißen Fahnen und Blumen zogen sie durch die Hauptstadt Minsk: Tausende Frauen haben in Belarus wieder gegen den umstrittenen Staatschef Alexander Lukaschenko demonstriert. Auch in anderen Städten der Ex-Sowjetrepublik protestierten am Samstag viele Menschen. In den vergangenen Tagen schlossen sich vor allem Studierende den Protesten an. Das Bildungsministerium kündigte nun an, die Kontrollen an den Universitäten zu verstärken.

Die Gegner des umstrittenen Staatschefs organisieren seit der Präsidentenwahl am 9. August täglich im ganzen Land Protestaktionen. Sie wollen verhindern, dass der 66-Jährige am 9. November seine sechste Amtszeit antritt. Die Demokratiebewegung besteht darauf, dass die von vielen als Siegerin der Wahl gefeierte Swetlana Tichanowskaja das Amt übernimmt. Die Abstimmung, bei der Lukaschenko sich mit über 80 Prozent der Stimmen zum Sieger erklären ließ, steht international als grob gefälscht in der Kritik.

Auf Videos ist zu sehen, wie Uniformierte friedlich demonstrierende Studierende brutal in Minibusse zerren. Nach Angaben der Behörden wurden allein am Freitag 40 Demonstranten festgenommen, rund die Hälfte müsse mit einer Strafe rechnen. Zu Beginn der Proteste hatten die Sicherheitskräfte fast 7000 Menschen festgenommen.

Treffen der Opposition in Litauen

Tichanowskaja, die nach der Wahl unter Druck der Behörden nach Litauen ausreiste, will sich am Samstag mit dem ehemaligen Kulturminister und jetzigem Oppositionellen Pawel Latuschko in Vilnius treffen. Staatsnahe Medien hatten berichtet, er sei geflüchtet. Er wies dies als Lüge zurück. Es handle sich lediglich um eine mehrtägige Reise in die Nachbarländer, um die Lage in Belarus im Ausland zu besprechen, sagte er. Latuschko gehört dem Koordinierungsrat der Demokratiebewegung an, der einen friedlichen Machtwechsel anstrebt. Für den Abend ist eine Videoschalte geplant, bei der Tichanowskaja Fragen der Belarussen beantworten soll.

Auch Olga Kowalkowa, eine weitere prominente Oppositionelle, hat das Land verlassen. Kowalkowa war im August festgenommen und erst am Donnerstag wieder freigelassen worden. Sie sei von den Behörden in Belarus zur Ausreise gedrängt worden, sagte Kowalkowa dem Internetportal tut.by zufolge. Sie sei in der Nacht zur polnischen Grenze gebracht worden, ohne vorher darüber informiert worden zu sein. Nun sei sie in Warschau, wolle aber nach Minsk zurück.

Maas droht Belarus mit neuen Sanktionen

Bundesaußenminister Heiko Maas hat unterdessen mit einer Verschärfung von Strafmaßnahmen gegen Lukaschenko gedroht. "Wir erkennen als Europäische Union die Wahl nicht an und haben Sanktionen beschlossen. Diese setzen wir jetzt um. Wenn Lukaschenko nicht reagiert, wird es weitere Sanktionen geben", sagte Maas der "Bild am Sonntag".

Zugleich stellte Maas klar, was er von der Führung in Minsk erwartet: "Ich fordere von Lukaschenko, dass er mit der Opposition verhandelt, dass die Wahl wiederholt wird, dass Lukaschenko sofort damit aufhört, friedliche Demonstranten einzusperren und zu misshandeln, dass er die Menschenrechte und die Pressefreiheit achtet."

vet/dpa
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