Nach Präsidentschaftswahl in Belarus Tichanowskaja ruft zu landesweitem Streik auf

Die belarussische Opposition will mit Streiks die Position von Machthaber Lukaschenko schwächen. Die autoritäre Führungsspitze droht den Arbeitern der Staatsbetriebe mit Entlassung, sollten sie dem Aufruf folgen.
Die Anführerin der Demokratiebewegung Swetlana Tichanowskaja

Die Anführerin der Demokratiebewegung Swetlana Tichanowskaja

Foto: Natalia Fedosenko/ imago images/ITAR-TASS

Die Gegner des belarussischen Machthabers Alexander Lukaschenko haben zu einer Ausweitung der Streiks in den Staatsbetrieben im ganzen Land aufgerufen. "Streiks sind eine völlig legale und wichtige Waffe gegen das Regime", sagte die Anführerin der Demokratiebewegung, Swetlana Tichanowskaja. Sie richtete sich per Video an die Mitarbeiter der Staatsbetriebe in der Ex-Sowjetrepublik.

Die Streiks, die bereits seit Tagen laufen, sollen dem Machtapparat die wirtschaftliche Basis entziehen. Tichanowskaja appellierte aus ihrem Exil im EU-Nachbarland Litauen an ihre Landsleute, sich von den Drohungen Lukaschenkos nicht einschüchtern zu lassen.

"Schließt euch zusammen!"

Die autoritäre Führung hatte den Arbeitern mit Entlassung gedroht, die Opposition spricht hingegen von einem Recht auf Streik. "Schließt euch zusammen!", sagte Tichanowskaja. Schon jetzt hätten die Menschen durch die Einheit viel erreicht. Zugleich sicherte sie erneut jenen Hilfe zu, die durch die Streiks in Existenznot gerieten. Es sei inzwischen ein Millionenbetrag zusammengekommen, um Bedürftigen zu helfen. Die Spendenbereitschaft für den Solidaritätsfonds war demnach hoch.

Lukaschenko, den sie nie mit Namen nennt, versuche den Belarussen ihr Land zu stehlen. "Um die Willkür zu beenden, müssen wir uns zusammenschließen", sagte Tichanowskaja. Ziele der Opposition seien das Ende der Gewalt gegen Andersdenkende, die Freilassung aller politischen Gefangenen und faire und freie Neuwahlen für das Präsidentenamt. Lukaschenko hatte sich bei der Präsidentschaftswahl am 9. August mit einem Stimmenanteil von 80 Prozent zum Sieger erklären lassen. Die Opposition spricht hingegen von Wahlbetrug und sieht Tichanowskaja als neue Präsidentin.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

In der Bevölkerung machten sich unterdessen Befürchtungen breit, dass Konten gesperrt werden, um Überweisungen zur Unterstützung der Demokratiebewegung zu verhindern. Berichten zufolge hoben Bürger aus Angst vor solchen Maßnahmen des Staates hohe Beträge von ihren Konten ab. Eine offizielle Bestätigung gab es nicht. In Minsk waren auch am Freitag landesweit Straßenproteste gegen Lukaschenko geplant. Zudem demonstrieren auch Unterstützer Lukaschenkos.

mfh/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.