Migration Polizei findet Leiche an Polens Grenze zu Belarus

Erneut ist in der Grenzregion zwischen Polen und Belarus ein Migrant ums Leben gekommen. Beamte entdeckten die Leiche eines jungen Syrers.
Polnische Polizisten und Migranten in der Grenzregion zu Belarus

Polnische Polizisten und Migranten in der Grenzregion zu Belarus

Foto: KACPER PEMPEL / REUTERS

An der polnischen Grenze zu Belarus ist ein weiterer Migrant tot aufgefunden worden. Die Leiche des Mannes sei am Mittwoch auf einem Feld nahe dem Dorf Klimowka entdeckt worden, teilte die polnische Polizei mit. Demnach handelt es sich bei dem Toten um einen 24 Jahre alten Syrer. Dies gehe aus den Dokumenten hervor, die bei dem Mann gefunden wurden.

Den Angaben zufolge hatte die Besatzung eines an der Grenze patrouillierenden Polizeihubschraubers die Leiche des Mannes entdeckt. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Die Polizei gehe davon aus, dass der syrische Migrant sich zuvor in Belarus aufgehalten habe, da er ein Mitte September ausgestelltes belarussisches Visum bei sich gehabt habe, sagte ein Polizeisprecher der Zeitung »Gazeta Wyborcza«.

Mehrere Migranten kamen in Grenzregion ums Leben

Laut der polnischen Nachrichtenagentur PAP markiert der Leichenfund den fünften bekannten Todesfall unter Migranten an der polnisch-belarussischen Grenze. Andere Quellen sprechen von bisher sieben toten Migranten in der Region. Die Umstände blieben weitgehend unklar.

Die Angaben von Grenzschutz und Polizei lassen sich nicht unabhängig überprüfen, da Polen in der Grenzregion zu Belarus den Ausnahmezustand verhängt hat. Journalisten und Vertreter von Hilfsorganisationen dürfen nicht hinein.

Mitte September hatte Regierungschef Mateusz Morawiecki darüber informiert, dass die Leichen von drei Menschen im Grenzgebiet entdeckt worden seien. Wenige Tage später berichtete der Grenzschutz, dass ein Mann aus dem Irak an den Folgen eines Herzinfarkts gestorben sei, nachdem die Grenzer eine Gruppe Migranten angehalten hatten.

Die Regierung in Warschau beschuldigt den belarussischen Machthaber Alexander Lukaschenko, in organisierter Form Flüchtlinge aus Krisenregionen an die EU-Außengrenze zu bringen. Lukaschenko hatte Ende Mai angekündigt, dass Minsk Migranten nicht mehr an der Weiterreise in die EU hindern werde – als Reaktion auf verschärfte westliche Sanktionen.

Heiko Maas erhebt Vorwürfe gegen Fluggesellschaften

Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) machte derweil Fluggesellschaften mitverantwortlich für die prekäre Lage von Flüchtlingen, die über Belarus nach Europa gelangen wollen. »Jeden Tag kommen auf dem Flughafen in Minsk Hunderte verzweifelte Menschen an«, sagte Maas der »Bild«-Zeitung.

Lukaschenko locke sie mit falschen Versprechen, um sie auf eine gefährliche und illegale Reise in die EU zu schicken. »Die Airlines, die diese Menschen befördern, machen sich zu Helfern der Machthaber in Minsk.« Die Unternehmen müssten sich fragen, ob sie »Teil eines skrupellosen internationalen Schleuserrings unter Leitung Lukaschenkos sein wollen«.

Brandenburg will ankommende Migranten schneller verteilen

Auch in Deutschland waren über die Route Belarus-Polen in den vergangenen Wochen vermehrt Menschen aus Krisenländern wie Syrien und Irak angekommen. Brandenburg will die geflüchteten Menschen nun schneller auf andere Bundesländer verteilen.

Der Bund wolle die Weiterleitung mit einem neuen Registrierungszentrum in Brandenburg beschleunigen, kündigte Brandenburgs Innenminister Michael Stübgen (CDU) in Eisenhüttenstadt bei einem Besuch in der Erstaufnahmeeinrichtung an.

Von der zentralen Anlaufstelle aus solle in zwei Wochen die sofortige Weiterleitung von Flüchtlingen in alle Bundesländer organisiert werden. Das nehme großen Druck von Brandenburg. Nur die Menschen sollten in Brandenburg aufgenommen werden, für die das Land nach dem Verteilschlüssel verantwortlich sei.

anr/dpa/AFP
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