Belarus Wahlkampfleiterin von Oppositionskandidatin erneut festgenommen

Am Sonntag tritt in Belarus Oppositionskandidatin Swetlana Tichanowskaja gegen Staatschef Lukaschenko an. Ihre Wahlkampfleiterin wird dann wohl noch im Gefängnis sitzen: Sie wurde zum zweiten Mal festgenommen.
Oppositionskandidatin Swetlana Tichanowskaja

Oppositionskandidatin Swetlana Tichanowskaja

Foto: Sergei Grits/ dpa

Einen Tag vor der Präsidentschaftswahl in Belarus ist die Wahlkampfleiterin der Oppositionskandidatin Swetlana Tichanowskaja erneut festgenommen worden. Maria Moros werde voraussichtlich bis Montag festgehalten, sagte eine Sprecherin Tichanowskajas der Nachrichtenagentur AFP. Der Grund für die Festnahme sei unklar.

Tichanowskaja werden "Rechtsverstöße" vorgeworfen, welche, ist unklar, sagte ihre Sprecherin laut Medienberichten. Eine Anhörung vor Gericht soll erst Montag stattfinden. Sie selbst hat ihre Wohnung in Minsk verlassen, berichtet Radio Swoboda. Grund sei die Sorge um die Sicherheit der Kandidatin, vor deren Haus Polizeikräfte Stellung bezogen hatten. Sie befindet sich nun mit Mitgliedern ihres Teams und Journalisten an einem nicht näher benannten Ort in Minsk. In den vergangenen Tagen waren bereits drei ihrer Wahlkampf-Mitarbeiter festgenommen worden.

Moros war bereits Anfang der Woche in Gewahrsam genommen worden, nachdem sie die litauische Botschaft in Minsk besucht hatte. Wenig später wurde sie wieder freigelassen. Tichanowskaja ist die wichtigste Rivalin des seit 26 Jahren autoritär regierenden Präsidenten Alexander Lukaschenko, der sich bei der Wahl am Sonntag um eine sechste Amtszeit bewirbt. Die 37-Jährige trat an, nachdem ihr Mann, der bekannte Blogger Sergej Tichanowski, von der Wahl ausgeschlossen und inhaftiert wurde.

Die vorzeitige Stimmabgabe begann bereits am Dienstag, der eigentliche Wahltag ist Sonntag. Die Behörden gingen vor der Präsidentschaftswahl massiv gegen die Opposition vor.

Ende Juli war auch der Politikberater Witali Schkliarow bei einem Besuch seiner Eltern in Belarus festgenommen worden. Schkliarow ist gebürtiger Belarusse, lebt aber in Washington. Am Samstag wurde er nun beschuldigt, an der Organisation von Massenunruhen vor der Wahl mitgewirkt zu haben. Schkliarow drohten bis zu drei Jahre Gefängnis, teilte sein Anwalt mit. Der Politikberater bestreitet die Vorwürfe. Grund seiner Festnahme seien vielmehr seine Kommentare zur belarussischen Politik.

Drei russische Oppositionspolitiker festgenommen

Das Staatsfernsehen hatte unter Berufung auf den belarussischen Sicherheitsdienst berichtet, Schkliarow habe den inhaftierten Tichanowski beraten. Der Politikexperte bestreitet jede Zusammenarbeit. Schkliarow hatte in der Vergangenheit unter anderem Präsidentschaftskandidaten in den USA, Russland und der Ukraine beraten.

Am Samstag wurden zudem in Russland drei Aktivisten der russischen Opposition festgenommen, die als Wahlbeobachter nach Belarus reisen wollten. Der Geschäftsführer der Bewegung Open Russia (Offenes Russland), Andrej Piwowarow, und zwei weitere Mitglieder seien aus einem Bus geholt und "ohne jede Erklärung" festgenommen worden, teilte die Gruppe mit. Piwowarow drohten bis zu 15 Tage Haft wegen Widerstands gegen Grenzbeamte.

Warum wir statt Weiß­russ­land nun Belarus schreiben

Lange hat der SPIEGEL von Weißrussland geschrieben, wenn die Rede war von dem Staat zwischen dem Baltikum und Polen, der Ukraine und Russland. Offiziell nennt sich das Land seit seiner Unabhängigkeit 1991 nach dem Ende der Sowjetunion Republik Belarus, kurz Belarus. "Bela" bedeutet "weiß", "rus" verweist auf jenes früheres osteuropäisches Herrschaftsgebiet, das als Kiewer Rus bekannt war. Das heutige Territorium der Republik Belarus war Teil davon.

Um deutlich zu machen, dass es sich bei Belarus um einen souveränen Staat handelt, der nicht Teil Russlands ist, hat das Auswärtige Amt seit geraumer Zeit begonnen den offiziellen und zeitgemäßen Namen zu verwenden. Der SPIEGEL schließt sich dieser Entwicklung an und wird künftig Belarus statt Weißrussland schreiben, Weißrussinnen und Weißrussen nun als Belarussinnen und Belarussen bezeichnen.

Lukaschenko hatte Russland Einmischungsversuche in die Wahl in Belarus vorgeworfen. Kreml-Kritiker gehen jedoch davon aus, dass der Kreml Lukaschenko unterstützt. "Ein Diktator wird immer einen Diktator unterstützen", erklärte der Oppositionspolitiker Dmitri Gudkow auf Facebook.

mfh/heb/AFP
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