Umstrittene Präsidentschaftswahl Wahlkommission in Belarus verkündet Sieg von Lukaschenko

Es ist das erwartete Resultat nach einer Wahlnacht voller Gewalt: 80 Prozent der Belarussen sollen für Machthaber Lukaschenko gestimmt haben, teilt die Wahlbehörde mit - und erklärt den Amtsinhaber zum Sieger.
Alexander Lukaschenko, Präsident seit 26 Jahren, bei der Stimmabgabe am Sonntag

Alexander Lukaschenko, Präsident seit 26 Jahren, bei der Stimmabgabe am Sonntag

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Andrei Pokumeiko/ imago images/ITAR-TASS

Nach einer Wahlnacht der Gewalt hat die belarussische Wahlkommission Amtsinhaber Alexander Lukaschenko als Sieger der Präsidentschaftswahl verkündet. Die Kommission nannte das Ergebnis der Nachrichtenagentur Reuters zufolge einen "Erdrutschsieg".

Auf den 65-jährigen Lukaschenko sollen demnach 80,23 Prozent der Stimmen entfallen sein. Oppositionskandidatin Swetlana Tichanowskaja kam demnach auf 9,9 Prozent. Sie kündigte bereits an, eine Niederlage nicht anzuerkennen.

"Ich glaube an das, was ich mit eigenen Augen sehe, und ich sehe, dass die Mehrheit hinter uns steht", hatte Tichanowskaja am Sonntagabend gesagt. Schon allein dadurch, "dass wir unsere Angst, unsere Apathie und unsere Gleichgültigkeit besiegt haben", habe ihre Seite triumphiert.

Die Wahlbeteiligung in der Ex-Sowjetrepublik lag laut Wahlleitung bei 84 Prozent der rund 6,8 Millionen Stimmberechtigten.

In der Nacht hatten offiziellen Stellen bereits einen Sieg Lukaschenkos vorhergesagt, allerdings keine Teilergebnisse veröffentlicht. Aus einzelnen Wahllokalen hatte es hingegen geheißen, Lukaschenko habe eine schwere Niederlage erlitten. Oppositionskandidatin Tichanowskaja sei dort auf zwischen 80 und 90 Prozent der Stimmen gekommen.

Nach Schließung der Wahllokale am Sonntagabend hatte es in Minsk, der Hauptstadt von Belarus, Massenproteste gegen Lukaschenko gegeben, der Belarus seit 26 Jahren diktatorisch regiert. Insgesamt sollen sich an den Protesten rund 100.000 Menschen beteiligt haben, die Sicherheitskräfte schlugen die Demonstrationen aber brutal nieder. Es gab zahlreiche Verletzte, ein Demonstrant soll gestorben sein.

DER SPIEGEL

 Bis zum Morgen beruhigte sich die Lage zwar, die Opposition hat aber neue Proteste angekündigt. Lukaschenko hatte vor der Wahl mit dem Einsatz von Militär gedroht, um seine Macht zu erhalten.

Polen und Litauen haben angesichts der blutigen Auseinandersetzungen bei den Protesten nach der Präsidentenwahl zum Gewaltverzicht aufgerufen. In einer gemeinsamen Erklärung schreiben die beiden Staatsoberhäupter Andrzej Duda und Gitanas Nauseda: "Wir fordern die belarussischen Behörden auf, grundlegende demokratische Standards uneingeschränkt anzuerkennen und aufrechtzuerhalten".

Es gelte, Grundfreiheiten, Menschen- und Bürgerrechte einschließlich der Rechte nationaler Minderheiten und der Meinungsfreiheit zu respektieren.

cht/Reuters/AFP/dpa