Proteste gegen Diktatur in Belarus Zehntausende Menschen demonstrieren in Minsk

Die Hauptstadt ist ein Meer aus Menschen: Im belarussischen Minsk versammeln sich erneut zahlreiche Demonstranten. Das Verteidigungsministerium drohte bereits offen mit dem Einsatz der Armee.
Proteste gegen die umstrittene belarussische Präsidentschaftswahl in Minsk am 23. August

Proteste gegen die umstrittene belarussische Präsidentschaftswahl in Minsk am 23. August

Foto: Dmitri Lovetsky / dpa

Zehntausende Menschen haben in Belarus zwei Wochen nach der umstrittenen Präsidentenwahl mit neuen Massenprotesten gegen Staatschef Alexander Lukaschenko begonnen. Auf dem Unabhängigkeitsplatz in Minsk kamen am Nachmittag Bürger aller Schichten aus allen Teilen der Hauptstadt zusammen - trotz massiver Drohungen des Machtapparats.

Die Demonstranten riefen: "Uchodi!" - zu Deutsch: Hau ab! Viele von ihnen schwenkten die Fahne der Opposition. In Sprechchören forderten die friedlichen Demonstranten Neuwahlen und den Rücktritt des seit 26 Jahren mit harter Hand regierenden Staatschefs. Auch aus anderen Städten wurden Proteste gemeldet.

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Die Opposition hoffte, zu den Protesten noch mehr Menschen auf die Straße zu bringen als vor einer Woche, als 100.000 Menschen gegen Lukaschenko demonstrierten.

Weil die Sicherheitskräfte viele Metrostationen sperrten, machten sich in Minsk große Menschengruppen zu Fuß auf den Weg. Die Polizei warnte in Lautsprecherdurchsagen vor der Teilnahme an der ungenehmigten Kundgebung.

DER SPIEGEL

Verteidigungsministerium droht mit Militäreinsatz

Staatschef Lukaschenko hatte mit "hartem Durchgreifen" gedroht, um die Ex-Sowjetrepublik wieder zur Ruhe zu bringen. In lokalen Onlinemedien wurden Videos veröffentlicht, die Polizisten in Kampfmontur und mit Wasserkanonen zeigten. Diese rückten offensichtlich Richtung Unabhängigkeitsplatz vor.

Das Verteidigungsministerium warnte in einer Mitteilung: "Falls es Störungen der Ordnung oder Unruhen auf diesen Plätzen geben sollte, werden Sie es schon nicht mehr mit der Miliz zu tun bekommen, sondern mit der Armee". Die Armee werde den Schutz nationaler Denkmäler und Gedenkstätten übernehmen und bei Ausschreitungen entsprechend zurückschlagen, hieß es.

Lukaschenkos Machtapparat schlägt die Proteste seit zwei Wochen brutal nieder. Viele Bürger in Belarus betonen seit Wochen, dass sie keine Angst mehr hätten vor "Europas letztem Diktator".

Russischer Außenminister kritisiert Oppositionsführerin

Der russische Außenminister Sergej Lawrow hatte am Sonntag die belarussische Oppositionspolitikerin Swetlana Tichanowskaja scharf kritisiert. Diese wolle ein Blutvergießen und keine friedlichen Proteste. Im Übrigen werde es "nicht zu beweisen sein", dass Lukaschenko die Wahl nicht gewonnen habe, wurde Lawrow von der Agentur Interfax zitiert.

Tichanowskaja, die aus Sicherheitsgründen nach Litauen geflüchtet ist, erklärte am Sonntag, dass sie nicht mit einem baldigen Ende der Proteste rechne: "Wenn Sie glauben, dass das alles nachlassen wird - dies wird nicht passieren", sagte sie.

Das belarussische Volk werde niemals mehr so sein, wie es war. "Die Menschen sind aufgewacht und nicht mehr in der Lage, mit einer Regierung zu leben, die sie nicht akzeptieren", sagte sie.

dpa/afp/reuters/hpp
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