Swetlana Tichanowskaja Belarussische Oppositionskandidatin nach Litauen ausgereist

Nach dem umstrittenen Sieg von Präsident Lukaschenko bei der Wahl in Belarus, bestätigt die Oppositionskandidatin Swetlana Tichanowskaja in einem Video, in Litauen angekommen zu sein. Sie sei in Sicherheit.
Swetlana Tichanowskaja in ihrem Youtube-Video

Swetlana Tichanowskaja in ihrem Youtube-Video

Foto: Youtube

Sie war als Hauptrivalin von Amtsinhaber Alexander Lukaschenko ins Rennen gegangen und hatte sich nach der Präsidentschaftswahl in Belarus zur Siegerin erklärt. Nun ist die unterlegene Oppositionskandidatin Swetlana Tichanowskaja dennoch nach Litauen ausgereist. "Sie ist in Litauen angekommen und in Sicherheit", sagte der litauische Außenminister Linas Linkevicius der Nachrichtenagentur AFP am Montag.

Der Minister hatte sich am Montagabend angesichts der Gewalt in Belarus besorgt gezeigt um die Sicherheit der zweifachen Mutter. Nun sagte er im Radio, Tichanowskaja sei für etwa sieben Stunden in Belarus festgehalten worden, wo konnte er aber nicht sagen. Es sei eine angespannte Nacht gewesen, bevor man Tichanowskaja habe in Sicherheit bringen können.

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Tichanowskaja sagt, sie habe selbst entschieden, Belarus zu verlassen

Die belarussischen Behörden selbst hätten die Kandidatin außer Landes gebracht, sagte Tichanowskajas Vertraute Olga Kowalkowa in Minsk dem Portal tut.by zufolge. "Sie hatte keine Wahl. Wichtig ist, dass sie in Freiheit und am Leben ist." Tichanowskaja habe mit ihrer Flucht auch die Freilassung ihrer Wahlkampfleiterin, Maria Moros, erreicht. Moros sei eine "Geisel" gewesen, beide reisten demnach gemeinsam aus.

Tichanowskaja bestritt die Aussage ihres Teams in einer Videobotschaft, die sie am Dienstagmorgen veröffentlichte. "Ich habe eine sehr schwierig Entscheidung getroffen. Es ist eine Entscheidung, die ich ganz allein getroffen habe", sagte sie in dem Video auf YouTube.

Nachdem Tichanowskaja das offizielle Ergebnis der Wahl nicht anerkannt hatte, hatte sie zunächst bei einer Pressekonferenz gesagt, dass sie im Land bleiben werde und weiter kämpfen wolle.

Tichanowskaja hatte sich aber auch massiv bedroht gefühlt von den Sicherheitskräften um Lukaschenko. Der 65-Jährige hat mit dem Einsatz der Armee gedroht, um seine Macht auch nach 26 Jahren für eine sechste Amtszeit zu verteidigen. Tichanowskaja hatte zuvor auch ihre Kinder außer Landes bringen lassen. Ihr Mann Sergej Tichanowski, ein regierungskritischer Blogger, sitzt in Haft. Tichanowskaja war an seiner Stelle bei der Wahl angetreten und hatte als einzige Oppositionelle eine Zulassung als Kandidatin erhalten.

Die Proteste gegen Wahlfälschungen nach Schließung der Wahllokale am Sonntagabend waren die schwersten, die es in der früheren Sowjetrepublik bislang gab. Die belarussische Polizei ging in den vergangenen Tagen gewaltsam gegen die Demonstranten vor, zahlreiche wurden festgenommen.

"Sie ist vor allem die Symbolfigur"

Die EU kritisierte - ebenso wie die Bundesregierung, Frankreich und Großbritannien - einen "unverhältnismäßigen und inakzeptablen Einsatz staatlicher Gewalt" am Rande der Wahl. Westliche Beobachter stuften die Abstimmung - wie alle anderen Wahlen seit 1995 in dem Land - als weder frei noch fair ein.

Experten gingen zunächst nicht davon aus, dass die Ausreise Tichanowskajas zu einem Abflauen der Proteste führt. "Sie ist vor allem die Symbolfigur und kann auch aus dem Ausland mit Videos Botschaften senden", sagte die belarussische Analystin Maryna Rakhlei der Deutschen Presse-Agentur am Dienstag. Die Proteste gegen Wahlfälschungen zeigten, dass die Menschen "aufgewacht" seien und um ihre Freiheit kämpfen.

mfh/AFP/Reuters/dpa
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