Armenien Schwere Vorwürfe gegen Aserbaidschan und die Türkei

In Bergkarabach ist es in der Nacht zu schweren Angriffen auf die Hauptstadt Stepanakert gekommen. Armeniens Premier beschuldigt Aserbaidschan und die Türkei, den Völkermord an den Armeniern fortsetzen zu wollen.
Raketenkörper in Stepanakert: Seit Jahrzehnten kämpfen Armenien und Aserbaidschan um die Region Bergkarabach

Raketenkörper in Stepanakert: Seit Jahrzehnten kämpfen Armenien und Aserbaidschan um die Region Bergkarabach

Foto: David Ghahramanyan / AP

Seit Tagen gibt es blutige Gefechte um die Konfliktregion Bergkarabach. In der Nacht hat es erneut schwere Angriffe in deren Hauptstadt Stepanakert gegeben. Nun erhebt Armeniens Premierminister Nikol Paschinjan schwere Vorwürfe gegen die Türkei und Aserbaidschan.

"Was wir sehen, ist ein internationaler aserbaidschanisch-türkischer Terroranschlag", sagte der Regierungschef in einem Gespräch mit "Sky News". "Für mich gibt es keinen Zweifel daran, dass diese Politik die Fortsetzung des Völkermordes an den Armeniern ist und auf die Wiederherstellung des Osmanischen Reiches zielt", sagte er.

In der Zeit des Osmanischen Reiches wurden etwa 1,5 Millionen Armenier getötet. Ankara wehrt sich vehement dagegen, die Massaker, die unter den Osmanen an der armenischen Bevölkerung begangen worden sind, als Völkermord anzuerkennen. International wird der Genozid jedoch von vielen Ländern als solcher anerkannt, auch von Deutschland.

Seit Jahrzehnten streiten sich die beiden ehemaligen Sowjetrepubliken Aserbaidschan und Armenien um die Region Bergkarabach. Völkerrechtlich gehört die von Armenien kontrollierte Region mit geschätzten 145.000 Einwohnern zu Aserbaidschan. In den vergangenen Tagen ist der Konflikt eskaliert. Seit zehn Tagen halten die Gefechte bereits an.

Fast stündlich heulten die Sirenen

In der Hauptstadt Stepanakert heulten in der Nacht fast stündlich die Alarmsirenen, wie ein Journalist der Nachrichtenagentur AFP berichtete. Kurz darauf waren jedes Mal schwere Explosionen zu hören. Unklar war zunächst, ob es sich um Raketen-, Artillerie- oder Luftangriffe handelte.

Ein Bewohner sagte AFP, es seien zweifellos die schwersten Angriffe auf Stepanakert seit dem Wochenende, als aserbaidschanische Truppen die Stadt mit fast 50.000 Einwohnern erstmals unter Beschuss nahmen. Die Angriffe gingen auch bei Tagesanbruch weiter. Berichte über Opfer oder Schäden lagen zunächst nicht vor.

In dem Konflikt hat sich die Türkei hinter ihren "Bruderstaat" Aserbaidschan gestellt. Armenien macht Ankara für die jüngste Eskalation verantwortlich. Laut der aserbaidschanischen Regierung ist die Türkei als Verbündeter des Landes nicht in den Konflikt verwickelt.

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Als Schutzmacht der Armenier gilt hingegen Russland. Sollte der Konflikt weiter eskalieren, werde sich Moskau zugunsten Armeniens einmischen, sagte Paschinjan. "Russland wird seine vertraglichen Verpflichtungen einhalten", so der Regierungschef.

Viele Menschen auf der Flucht

Den Angaben örtlicher Behörden zufolge haben die Kämpfe bereits erhebliche Folgen für die zivile Bevölkerung. Ersten Schätzungen zufolge sei etwa die Hälfte der Bevölkerung auf der Flucht, darunter etwa 90 Prozent aller Frauen und Kinder, sagte der Bürgerbeauftragte der selbsternannten Republik Berg-Karabach, Artak Belgarjan, der Nachrichtenagentur AFP. Rund 70.000 bis 75.000 Menschen seien betroffen.

asc/AFP/Reuters
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