Konflikt mit Aserbaidschan Armenien meldet Dutzende Tote bei Kämpfen in Bergkarabach

Bei den Kämpfen um Bergkarabach melden Armenien und Aserbaidschan schwere Gefechte mit fast 40 Toten. Unter den Opfern sollen auch Zivilisten sein.
Ein von Aserbaidschans Verteidigungsministerium veröffentlichtes Foto zeigt laut offiziellen Angaben die Zerstörung eines armenischen Flugabwehrsystems bei Bergkarabach

Ein von Aserbaidschans Verteidigungsministerium veröffentlichtes Foto zeigt laut offiziellen Angaben die Zerstörung eines armenischen Flugabwehrsystems bei Bergkarabach

Foto: Uncredited / dpa

Trotz internationaler Mahnungen halten die schweren Gefechte in der Kaukasusregion Bergkarabach nach Angaben der Konfliktparteien an. In der Nacht zum Montag habe es erneut "intensive Kämpfe" zwischen proarmenischen Rebellengruppen und der aserbaidschanischen Armee gegeben, teilte ein Sprecher der proarmenischen Regionalregierung in Bergkarabach mit. Die Zahl der Todesopfer stieg demnach auf 39.

Der Regionalregierung zufolge wurden in der Nacht zum Montag 15 weitere proarmenische Kämpfer getötet. Damit stieg die Zahl der getöteten Kämpfer auf 32. Bereits am Sonntag waren sieben zivile Todesopfer gemeldet worden, darunter fünf aserbaidschanische und zwei armenische. Die aserbaidschanische Seite machte bislang keine genauen Angaben zu ihren Verlusten. Das Außenministerium in Baku teilte am Montag lediglich mit, dass sechs Zivilisten getötet und 19 weitere verletzt worden seien.

DER SPIEGEL

Nach Angaben des armenischen Verteidigungsministeriums setzte die gegnerische Seite am Morgen auch schweres Gerät und Artillerie ein. Das Militär in Aserbaidschan teilte mit, dass armenische Streitkräfte die Stadt Terter an der Grenze zu Bergkarabach beschossen hätten. Man warne Armenien vor "angemessenen Gegenmaßnahmen", hieß es.

Die jüngsten Gefechte zwischen den Ländern hatten am frühen Sonntagmorgen begonnen. Dabei soll auch Bergkarabachs Hauptstadt Stepanakert beschossen worden sein. Beide Länder gaben sich gegenseitig die Schuld für die Gefechte und verhängten den Kriegszustand. In Aserbaidschan gibt es in einigen Regionen auch Ausgangssperren am Abend.

Die beiden ehemaligen Sowjetrepubliken Armenien und Aserbaidschan streiten seit Jahrzehnten um das in Aserbaidschan gelegene, mehrheitlich von Armeniern bewohnte Bergkarabach im Kaukasus. Völkerrechtlich gehört die von Armenien kontrollierte Region mit geschätzten 145.000 Einwohnern zu Aserbaidschan. Seit 1994 gilt eine Waffenruhe, die aber immer wieder gebrochen wurde. Zuletzt flammte der Konflikt 2016 stark auf - es starben mehr als 120 Menschen.

Am Sonntag war der militärische Konflikt nach Jahren relativer Ruhe wieder eskaliert. Aserbaidschans Armee und von Armenien unterstützte Rebellentruppen lieferten sich heftige Gefechte. Die Regierungen in Baku und Eriwan verhängten das Kriegsrecht und beschuldigten sich gegenseitig der Eskalation. Zuletzt hatte es im Juli einen Zusammenstoß mit mehreren Toten gegeben.

Guterres fordert sofortige Waffenruhe

Uno-Generalsekretär António Guterres forderte ein sofortiges Ende der Kämpfe und mahnte eine diplomatische Lösung in dem Konflikt an. Auch die US-Regierung nahm nach eigenen Angaben zu beiden Seiten Kontakt auf und forderte die Konfliktparteien dazu auf, die Kampfhandlungen sofort einzustellen. Zuvor hatten bereits Deutschland, Frankreich, Italien und die EU ein sofortiges Ende der Kämpfe gefordert.

Das völlig verarmte Armenien setzt auf Russland als Schutzmacht, das dort Tausende Soldaten und Waffen stationiert hat. Das öl- und gasreiche Aserbaidschan hat die Türkei als verbündeten Bruderstaat.

Das Auswärtige Amt riet von Reisen in die Region ab. "Von Reisen in die Nähe der Line of Contact um Bergkarabach und den besetzten Gebieten sowie in das gesamte Grenzgebiet zu Armenien wird dringend abgeraten", hieß es in den Reise- und Sicherheitshinweisen .

mes/AFP/dpa/Reuters
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.