Konflikt im Südkaukasus Armenien übergibt mehr als 120 Orte in Bergkarabach an Aserbaidschan

Armenien hat die Kontrolle über Dutzende Dörfer und Städte in Bergkarabach bereits verloren. Nun gibt das Land sie offiziell an Aserbaidschan ab. Manche Gebiete sind vermint.
Beschädigtes Gebäude in Bergkarabach

Beschädigtes Gebäude in Bergkarabach

Foto: Sergei Bobylev / imago images/ITAR-TASS

Im Konflikt mit Aserbaidschan um die Südkaukasusregion Bergkarabach gibt Armenien die Kontrolle über mehr als 120 Ortschaften ab. Die armenische Regierung veröffentlichte am Montag eine Liste mit insgesamt 121 Städten und Dörfern, die in die aserbaidschanische Kontrolle übergehen.

Teils hatte Armenien die Kontrolle über die Orte zuletzt bei Kämpfen verloren, teils kommt es zu einer kampflosen Übergabe. Teile der nun übergebenen Gebiete gelten als vermint. Ein russischer Offizier sowie vier Mitarbeiter des Katastrophenschutzministeriums von Bergkarabach wurden durch eine Explosion verletzt, wie die Agentur Interfax unter Berufung auf das russische Verteidigungsministerium mitteilte. Ein Offizier der aserbaidschanischen Armee wurde demnach getötet. Sie waren dabei gewesen, das Gelände nach Leichen abzusuchen.

Der armenische Regierungschef Nikol Paschinjan hatte in der Nacht zum 10. November unter Vermittlung des russischen Präsidenten Wladimir Putin mit dem aserbaidschanischen Präsidenten Ilham Alijew ein Abkommen über das Ende der Kämpfe unterzeichnet. Alijew feierte das als »großen Sieg«. Paschinjan hingegen sieht sich bei Protesten in Armenien mit Rücktrittsforderungen konfrontiert, weil er die »Niederlage« und den Verlust der Gebiete zu verantworten habe.

Bergkarabach ist seit Jahrzehnten zwischen den beiden Ex-Sowjetrepubliken Armenien und Aserbaidschan umkämpft. In dem neuen Krieg, der am 27. September begonnen hatte, holte sich Aserbaidschan weite Teile des Anfang der Neunziger verlorenen Gebiets zurück. Das Land sah sich dabei von seinem »Bruderstaat« Türkei unterstützt. Armenien sieht Russland als seine Schutzmacht.

Der russische Außenminister Sergej Lawrow mahnte bei einem Treffen am Samstag mit Alijew in Baku, dass in Bergkarabach die Bedingungen geschaffen werden müssten, damit Menschen unterschiedlicher Glaubensrichtungen und Ethnien friedlich zusammenleben könnten. In der Vergangenheit war es zu Konflikten zwischen christlichen Karabach-Armeniern und muslimischen Aserbaidschanern gekommen. In Bergkarabach sind rund 2000 russische Friedenssoldaten zur Kontrolle der Waffenruhe stationiert.

asa/dpa
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