Bergkarabach-Konflikt Armenien und Aserbaidschan werfen einander gezielte Attacken auf Zivilisten vor

In Bergkarabach gehen die Gefechte unvermindert weiter, beide Konfliktparteien werfen sich gegenseitig Angriffe auf Zivilisten vor. Armenien bringt nun eine Beteiligung Russlands ins Spiel.
Stepanakert in Bergkarabach: Ein Mann umsorgt in einem Krankenhaus sein verletztes Kind

Stepanakert in Bergkarabach: Ein Mann umsorgt in einem Krankenhaus sein verletztes Kind

Foto: Areg Balayan / dpa

Im Konflikt um die Südkaukasus-Region Bergkarabach hat es erneut schwere Gefechte gegeben. Armenien und Aserbaidschan beschuldigten sich dabei gegenseitig, gezielt die Zivilbevölkerung unter Beschuss zu nehmen. Der aserbaidschanische Präsidentschaftsberater Hikmet Hadschijew schrieb am Sonntagabend auf Twitter, armenische Streitkräfte hätten Raketenangriffe gegen "aserbaidschanische Zivilisten und zivile Infrastruktur" geflogen. Das armenische Außenministerium wiederum warf den aserbaidschanischen Truppen vor, bei Angriffen "bewusst die Zivilbevölkerung anzugreifen".

Armenischen Angaben zufolge bombardierten aserbaidschanische Soldaten am Sonntag erneut die Hauptstadt der selbst ernannten Republik Bergkarabach, Stepanakert. AFP-Reporter berichteten von zahlreichen Explosionen und schwarzen Rauchwolken über der Stadt. Aus Stepanakert und der Stadt Schuscha wurden Tote und Verletzte gemeldet.

Das aserbaidschanische Verteidigungsministerium erklärte derweil, armenische Truppen hätten die zweitgrößte aserbaidschanische Stadt Gandscha bombardiert. Auf Videoaufnahmen waren zerstörte Häuser in der 330.000-Einwohner-Stadt zu sehen. Präsidentschaftsberater Hadschijew erklärte, armenische Streitkräfte hätten darüber hinaus die Industriestadt Mingetschawir und den rund 80 Kilometer von der Hauptstadt Baku entfernten Bezirk Abscheron angegriffen.

Die armenische Seite spricht bisher von mehr als 200 Toten seit Beginn der Kämpfe vor einer Woche. Es seien überwiegend Soldaten. Über Tote und Verletzte in den Reihen der aserbaidschanischen Streitkräfte gab es keine Angaben. Baku sprach jedoch von mehr als 24 getöteten Zivilisten seit Beginn der neuen Kämpfe. Außerdem habe es mehr als 120 Verletzte gegeben. Die Berichte über Opferzahlen sind allerdings unvollständig. Beide Konfliktparteien sprechen von Tausenden getöteten Kämpfern aufseiten des Gegners und reklamieren militärische Erfolge für sich.

Die ehemaligen Sowjetrepubliken Armenien und Aserbaidschan liefern sich seit Jahrzehnten einen erbitterten Streit um die Region Bergkarabach im Südkaukasus, die mehrheitlich von Armeniern bewohnt wird. Die selbst ernannte Republik Bergkarabach wird international nicht anerkannt und gilt völkerrechtlich als Teil Aserbaidschans.

DER SPIEGEL

Armenien wünscht sich russische Friedenstruppen

Internationale Vermittlungsversuche blieben bislang erfolglos. Armenien sieht Russland als Schutzmacht, während die Türkei der engste Verbündete der öl- und gasreichen Ex-Sowjetrepublik Aserbaidschan ist.

Armenien versucht nun, eine russische Friedenstruppe ins Spiel zu bringen. Der armenische Ministerpräsident Nikol Paschinjan sprach am Wochenende über solch eine mögliche Truppe im Rahmen der Minsker Gruppe der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE). In diesem Format vermitteln Russland, Frankreich und die USA in dem Konflikt. Es sei eine schnellstmögliche Waffenruhe notwendig, forderte auch Russlands Außenminister Sergej Lawrow. Nach Angaben seines Ministeriums in Moskau telefonierte er am Sonntagabend mit seinem armenischen Kollegen Sohrab Mnazakanjan.

mrc/dpa/AFP
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