Konflikt um Bergkarabach Aserbaidschan setzt Offensive fort

Armenien und Aserbaidschan liefern sich in der Konfliktregion Bergkarabach die heftigsten Gefechte seit Jahren. Uno-Generalsekretär Guterres ruft beide Seiten zum Ende der Kämpfe auf. Baku meldet militärische Erfolge.
Material von der Seite des aserbaidschanischen Verteidigungsministeriums: Die Truppen bewegten sich in Richtung der Stadt Füsuli und hätten vier armenische Panzer zerstört

Material von der Seite des aserbaidschanischen Verteidigungsministeriums: Die Truppen bewegten sich in Richtung der Stadt Füsuli und hätten vier armenische Panzer zerstört

Foto: AZERBAIJAN DEFENCE MINISTRY/HANDOUT/EPA-EFE/Shutterstock

Seit Jahrzehnten streiten die Kaukasusländer Armenien und Aserbaidschan um die Region Bergkarabach. Nun ist der Konflikt erneut eskaliert. Trotz internationaler Aufrufe zu einem Ende der Kämpfe hat Aserbaidschan seine militärische Offensive in der umkämpften Region am Dienstagmorgen fortgesetzt.

Die Truppen bewegten sich in Richtung der Stadt Füsuli und hätten vier armenische Panzer zerstört, hieß es aus dem Verteidigungsministerium in der Hauptstadt Baku. In der Stadt Gadrut starb eine ältere Frau bei einem aserbaidschanischen Drohnenangriff auf den Hof eines Hauses, teilten die dortigen Behörden mit. Drei Bewohner seien verletzt worden.

Aserbaidschan hatte eigenen Angaben zufolge bereits am Sonntag sieben Dörfer in Bergkarabach erobert. Laut Militärberichten nahmen die aserbaidschanischen Truppen in der Bergregion auch strategisch wichtige Anhöhen ein. Kämpfer aus Bergkarabach versuchten den Angaben zufolge ohne Erfolg, die Stellungen wieder unter ihre Kontrolle zu bringen. Es handelt sich um die schwersten Gefechte seit Jahren. Beide Länder haben den Kriegszustand verhängt. Die Streitkräfte der ölreichen Republik Aserbaidschan sind denen des verarmten Landes Armenien um ein Vielfaches überlegen.

Uno-Generalsekretär António Guterres rief beide Seiten zum sofortigen Ende der Kämpfe auf. Guterres habe das dem aserbaidschanischen Präsidenten Ilcham Alijew und dem armenischen Regierungschef Nikol Paschinjan per Video-Telefonschalte mitgeteilt, sagte ein Uno-Sprecher am Montag in New York. Mehrere Mitglieder des Uno-Sicherheitsrats beantragten, das Thema noch für Dienstag auf die Tagesordnung zu setzen. Die Initiative ging von Deutschland und Frankreich aus, hieß es aus Diplomatenkreisen. Sie werde von Belgien, Großbritannien und Estland unterstützt.

Auch Angela Merkel fordert ein Ende der Kämpfe. Wie Regierungssprecher Steffen Seibert mitteilte, hat die Kanzlerin in Telefonaten mit dem Präsidenten von Aserbaidschan, Ilcham Alijew, und dem Ministerpräsidenten von Armenien, Nikol Paschinjan, auf einen Waffenstillstand und die Rückkehr an den Verhandlungstisch gedrängt. Das geeignete Forum dafür biete die OSZE mit der Minsker Gruppe. Auch die Nachbarländer der Konfliktparteien sollten der Kanzlerin zufolge zu einer friedlichen Lösung beitragen.

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Die von Armenien kontrollierte Region Bergkarabach gehört völkerrechtlich zum islamisch geprägten Aserbaidschan. In einem Krieg nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion verlor Aserbaidschan die Kontrolle über das Gebiet. Es wird heute von christlichen Karabach-Armeniern bewohnt. Armenien setzt auf Russland als Schutzmacht, die dort Tausende Soldaten sowie viele Waffen stationiert hat. Das öl- und gasreiche sowie militärisch hochgerüstete Aserbaidschan hat die Türkei als Verbündeten.

Seit 1994 bemühen sich die USA, Frankreich und Russland in der von der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) initiierten Gruppe von Minsk um Vermittlung. Damals wurde eine Waffenruhe vereinbart.

asc/dpa
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