Militärische Eskalation im Kaukasus Außenminister Maas fordert Ende der Kämpfe um Bergkarabach

Im Kaukasus sind schwere Gefechte ausgebrochen zwischen Armenien und Aserbaidschan. Europäische Politiker mahnen die Parteien dringend zur Besonnenheit.
Zerstörtes Militärfahrzeug im Konflikt um Bergkarabach (Material der Regierung von Armenien)

Zerstörtes Militärfahrzeug im Konflikt um Bergkarabach (Material der Regierung von Armenien)

Foto: AP

Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) hat sich alarmiert gezeigt über das Aufflammen des militärischen Konfliktes um die Region Bergkarabach im Kaukasus. "Die Nachrichten über erneute, massive Auseinandersetzungen zwischen Armenien und Aserbaidschan entlang der gesamten Konfliktlinien alarmieren mich", sagte Maas. Es gebe bereits Berichte über zivile Opfer auf beiden Seiten. "Ich rufe beide Konfliktparteien dazu auf, sämtliche Kampfhandlungen und insbesondere den Beschuss von Dörfern und Städten umgehend einzustellen", so Maas.

Der Konflikt um die Region im Kaukasus könne nur auf dem Verhandlungsweg gelöst werden. Armenien und Aserbaidschan müssten "die gewaltsamen Handlungen sofort beenden und den Weg zu substanziellen Verhandlungen begehen", sagte Maas.

Eskalation seit dem Morgen

Am Morgen startete Aserbaidschans Militär, so die armenischen Angaben, Bombenangriffe auf die Region. Daraufhin erklärte Armenien die Generalmobilmachung und verhängte das Kriegsrecht. Die Eskalation ist die schwerste seit Jahrzehnten.

Laut offiziellen Angaben aus der Hauptstadt von Bergkarabach, Stepanakert, wurden etwa zehn armenische Soldaten durch Beschuss getötet. Auch Aserbaidschan teilte mit, dass es Tote und Verletzte in den eigenen Reihen gebe.

Am Mittag verkündete Aserbaidschans Regierung militärische Erfolge: "Wir haben sechs Dörfer befreit, fünf im Bezirk Fisuli, eines im Bezirk Dschebrail", sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums der Nachrichtenagentur AFP. Die beiden ehemaligen Sowjetrepubliken streiten seit Jahrzehnten um Bergkarabach. Die Region liegt in Aserbaidschan, wird aber von Armenien kontrolliert.

Appell zur Deeskalation

Neben Maas forderten auch die EU und der Europarat ein sofortiges Ende der Gefechte. "Die Europäische Union ruft zum unverzüglichen Ende der Kampfhandlungen, zur Deeskalation und zur strikten Überwachung der Waffenruhe auf", sagte der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell.

Europarat-Generalsekretärin Marija Pejcinovic Buric erklärte, beide Länder sollten Zurückhaltung üben. "Beim Beitritt zum Europarat haben sich beide Länder verpflichtet, den Konflikt mit friedlichen Mitteln zu lösen, und diese Verpflichtung ist strikt einzuhalten." Pejcinovic Buric rief beide Seiten dazu auf, alles in ihrer Macht Stehende zu tun, um Menschenleben zu schützen.

Die Türkei sicherte Aserbaidschan Unterstützung zu. "Wir werden unsere aserbaidschanischen Brüder mit allen unseren Mitteln in ihrem Kampf zum Schutz ihrer territorialen Integrität unterstützen", erklärte der türkische Verteidigungsminister Hulusi Akar. Armenien warf er vor, mit seiner "Aggression" Frieden und Stabilität im Kaukasus zu bedrohen.

Das völlig verarmte Armenien setzt auf Russland als Schutzmacht. Erst am Wochenende hatte man ein gemeinsames Militärmanöver mit Moskau beendet. Aserbaidschan hatte immer wieder angekündigt, sich die Region Bergkarabach notfalls mit militärischer Gewalt zurückzuholen. Das Land hatte in den vergangenen Jahren sein Militär massiv aufgerüstet.

Seit 1994 bemühen sich die USA, Frankreich und Russland in der von der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) initiierten Gruppe von Minsk um Vermittlung. Damals wurde eine Waffenruhe vereinbart.

sms/dpa/AFP/Reuters
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