Bergkarabach-Konflikt Armenien macht Türkei für Eskalation verantwortlich

Seit zehn Tagen gibt es blutige Gefechte um die Region Bergkarabach. Armenien beschuldigt die Türkei, die Kämpfe mit Aserbaidschan angestiftet zu haben - und droht mit einem mächtigen Verbündeten.
Nikol Paschinjan nach Ausruf des Kriegszustands im armenischen Parlament am 27. September

Nikol Paschinjan nach Ausruf des Kriegszustands im armenischen Parlament am 27. September

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Tigran Mehrabyan / dpa

Laut Armeniens Regierungschef Nikol Paschinjan ist die Türkei schuld daran, dass der Streit um die Region Bergkarabach im Südkaukasus zum militärischen Konflikt zwischen Armenien und Aserbaidschan geworden ist. "Ohne das aktive Eingreifen der Türkei wäre es nicht so weit gekommen", sagte der armenische Ministerpräsident am Dienstag der Nachrichtenagentur AFP.

Aserbaidschans Entschluss, "einen Krieg zu beginnen", sei durch die "volle Unterstützung der Türkei" motiviert gewesen, so Paschinjan. Sollte der Konflikt weiter eskalieren, werde sich Russland zugunsten Armeniens einmischen. "Russland wird seine vertraglichen Verpflichtungen einhalten", sagte der Regierungschef.

Streit um Bergkarabach seit Ende der Sowjetunion

Die ehemaligen Sowjetrepubliken Armenien und Aserbaidschan streiten seit Jahrzehnten um die bergige Region, in der rund 145.000 Menschen leben. In einem Krieg nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion vor rund 30 Jahren verlor Aserbaidschan die Kontrolle über das Gebiet. Es wird heute von christlichen Karabach-Armeniern bewohnt. Eigentlich gilt seit 1994 eine Waffenruhe. Die selbst ernannte Republik Bergkarabach wird international nicht anerkannt und gilt völkerrechtlich als Teil Aserbaidschans.

Russland gilt historisch als Armeniens Schutzmacht und unterhält dort einen Militärstützpunkt. Zugleich pflegt Moskau allerdings auch gute Beziehungen Aserbaidschan und beliefert es mit Waffen. Das ölreiche Aserbaidschan hat militärisch in den vergangenen Jahren aufgerüstet. Das turksprachige Land kann auf die Türkei als Verbündeten zählen. Experten sehen es als erwiesen an, dass Ankara Aserbaidschan mit Waffen unterstützt.

Armenien beschuldigt die Türkei wiederholt der Einmischung in die Kämpfe. Türkische Offiziere sollen demnach die aserbaidschanischen Militäroperationen anführen. Laut der aserbaidschanischen Regierung ist die Türkei als Verbündeter des Landes nicht in den Konflikt verwickelt.

Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu forderte bei einem Besuch in Baku die Staatengemeinschaft erneut dazu auf, Aserbaidschan zu unterstützen, da Armenien die Besatzungsmacht sei. "Diese beiden Länder auf die gleiche Stufe zu stellen, bedeutet, den Besatzer zu belohnen", sagte Cavusoglu am Dienstag. Er fügte hinzu: "Die Welt muss auf der Seite derjenigen stehen, die recht haben, nämlich auf der Seite Aserbaidschans."

Am zehnten Tag des Konflikts waren Explosionen in Stepanakert, der Hauptstadt der selbst ernannten Republik Bergkarabach, zu hören, wie AFP-Reporter berichteten. Zersplittertes Glas und Trümmer übersäten die Straße im Stadtzentrum von Stepanakert. Weder Armenien noch Aserbaidschan neigten bisher dazu, ihre Angriffe einzustellen.

Seit Beginn der Kämpfe gibt es bisher nur unvollständige Berichte über die Opferzahlen. Demnach starben bisher mindestens 286 Menschen in Berg-Karabach, darunter mehr als 46 Zivilisten. Vermutlich starben jedoch weit mehr Menschen. So meldete die Regierung in Baku bislang keine Opfer unter ihren Militärangehörigen.

Russland: Friedenstruppen nur im Einvernehmen beider Seiten

Die sogenannte Minsker Gruppe der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa versucht zu vermitteln: Die Gruppe forderte ein sofortiges Ende der Kampfhandlungen sowie eine Rückkehr der beiden verfeindeten Ex-Sowjetrepubliken an den Verhandlungstisch. Paschinjan brachte zudem letzte Woche russische Friedenstruppen ins Gespräch. Moskau will russische Friedenstruppen aber nur mit Einverständnis von Eriwan und Baku in die Krisenregion schicken. Das sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Samstagabend, wie der Sender RBK berichtete. "Friedenstruppen können nur bei Zustimmung beider Seiten stationiert werden", wurde er zitiert.

jak/dpa
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