Erdoğan als Ehrengast bei Militärparade in Baku Der Pate des Sieges

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan ist nach Aserbaidschan gereist – und hat in Baku eine Militärparade abgenommen. Der Grund für die Feier: der Sieg über Armenien in Bergkarabach.
Von Christian Esch, Moskau
Soldaten im Blick: Ehrengast Erdoğan und Gastgeber Alijew bei der Militärparade in Baku

Soldaten im Blick: Ehrengast Erdoğan und Gastgeber Alijew bei der Militärparade in Baku

Foto: MUSTAFA KAMACI / AFP

Siege haben viele Väter, heißt ein altes Sprichwort. Zwei Väter scheint jedenfalls der Sieg Aserbaidschans über sein Nachbarland Armenien im Bergkarabach-Konflikt zu haben, und beide standen sie an diesem Donnerstag auf einer Tribüne in der aserbaidschanischen Hauptstadt Baku.

Aserbaidschans Präsident Ilcham Alijew und der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan nahmen dort gemeinsam eine gemeinsame Siegesparade ihrer Truppen ab. Im Hintergrund waren Fahnen beider Länder aufgepflanzt, und beide zugleich gaben dem Verteidigungsminister von Aserbaidschan und den Truppen das Signal, mit der Parade zu beginnen.

Am 10. November, vor genau einem Monat also, endete der jüngste Krieg im langen Konflikt um die Region Bergkarabach, die völkerrechtlich auf aserbaidschanischem Territorium liegt, faktisch aber über Jahrzehnte von Armenien kontrolliert wurde – bis Aserbaidschan sich einen Großteil des Gebiets nun mit türkischer Hilfe zurückholte.

Alijew bezeichnet Kämpfe mit Armenien als »Vaterländischen Krieg«

Für die Kaukasusrepublik Aserbaidschan ist das ein überwältigender Triumph. Das mag erklären, warum er in exakt derselben Rhetorik gefeiert wurde, die man seit Sowjetzeiten für den Sieg über Hitlerdeutschland benutzt. Als »Vaterländischen Krieg« bezeichnete Präsident Alijew die 44 Tage dauernden Kämpfe, den Gegner identifizierte er als »armenischen Faschismus«.

Stolzer Sieger: Erdoğan vor Soldaten in Baku

Stolzer Sieger: Erdoğan vor Soldaten in Baku

Foto: MUSTAFA KAMACI / AFP

Erdoğans Rolle als einziger ausländischer Ehrengast entspricht dem Einfluss, den die Türkei auf den Konflikt hatte. Ankaras tatkräftige Hilfe erlaubte es Aserbaidschan, den Nachbarn militärisch zu besiegen und den Erfolg politisch zu verteidigen.

Ankara und Baku hatten noch im Sommer gemeinsame Manöver abgehalten, türkische F-16-Kampfflugzeuge blieben daraufhin in Aserbaidschan. Mit türkischer Hilfe wurden Söldner in Syrien für die Kämpfe in Karabach rekrutiert. Moderne Kampfdrohnen aus türkischer Produktion zerstörten armenische Kampftechnik. Man kann Erdoğan mithin zumindest den Paten dieses Sieges nennen.

Defilee mit Drohnen – und erbeuteten armenischen Nummernschildern

Der türkische Präsident sprach von einem »Tag des Sieges und des Stolzes für die ganze türkische Welt«. Er zitierte die Worte von Ilcham Alijews Vater, Ex-Präsident Gejdar Alijew, wonach die Türkei und Aserbaidschan »ein Volk, zwei Staaten« seien. »Wenn das armenische Volk Lehren aus dem Karabach-Konflikt zieht, wird in der Region eine neue Ära beginnen«, sagte Erdoğan.

Vor dem Haus der Regierung, einem markanten Stalin-Bau im Zentrum Bakus, marschierten rund 3000 Soldaten. Außerdem wurde erbeutete armenische Technik auf Tiefladern vorbeigefahren – Raketenwerfer, Panzerhaubitzen, Schützenpanzer, manches davon ausgebrannt, manches intakt.

Zu Erdoğans sichtlicher Verwunderung wurde auch eine Sammlung erbeuteter armenischer Nummernschilder, sowohl militärische wie zivile, vorbeigefahren. Kampfdrohnen türkischer und israelischer Bauart gehörten ebenso zum Defilee. 

Russland verbietet Einfuhr aserbaidschanischer Tomaten

Während die Türkei in Baku an der Seite Aserbaidschans auftrat, kam aus Russland ein unfreundliches Signal: Moskaus Gesundheitsbehörden verboten mit Wirkung von Donnerstag die Einfuhr aserbaidschanischer Tomaten. Formal wurde mit Hygienegründen argumentiert, aber Moskau hat in der Vergangenheit politischen Unmut oft mit Importbeschränkungen ausgedrückt.

Russland stellt Friedenstruppen für Bergkarabach, ist mit Armenien verbündet, aber hat zugleich ein enges Verhältnis mit Aserbaidschan. Große Teile sowohl der erbeuteten armenischen wie der aserbaidschanischen Waffen, die auf der Parade gezeigt wurden, stammen aus russischer Produktion.

Alijews Rede ließ versöhnliche Signale an die mehrheitlich armenische Bevölkerung in der Region Bergkarabach vermissen. In Armeniens Hauptstadt Eriwan gingen derweil Proteste gegen Premierminister Nikol Paschinjan weiter, der das Waffenstillstandsabkommen mit Aserbaidschan unterzeichnet hat.

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