Konflikt in Bergkarabach Russland will Waffenruhe ohne türkische Soldaten kontrollieren

Russische Friedenssoldaten sollen die neue Waffenruhe zwischen Armenien und Aserbaidschan in Bergkarabach überwachen. Der Kreml stellte klar, dass es keine Kontrollen durch türkische Kräfte geben werde.
Russische Friedenstruppen steigen in ein Militärflugzeug nach Bergkarabach ein

Russische Friedenstruppen steigen in ein Militärflugzeug nach Bergkarabach ein

Foto: - / dpa

Unter Vermittlung des russischen Präsidenten Wladimir Putin haben Armenien und Aserbaidschan eine neue Waffenruhe für die Krisenregion Bergkarabach ausgehandelt. Russische Soldaten sollen die Einhaltung des Abkommens kontrollieren. Moskau wies umgehend darauf hin, dass neben den eigenen keine türkischen Soldaten daran beteiligt sein sollen. Das stellte Kremlsprecher Dmitrij Peskow der Agentur Interfax zufolge klar.

Er wies damit eine Erklärung des aserbaidschanischen Präsidenten Ilcham Alijew zurück, der von einem Einsatz türkischer Friedenssoldaten und einer gemeinsamen Mission mit Russland gesprochen hatte.

"Die Anwesenheit türkischer Soldaten in Karabach wurde nicht vereinbart", so Peskow. Diskutiert worden sei lediglich die Einrichtung eines Zentrums zur Überwachung der Waffenruhe auf aserbaidschanischem Gebiet. Aber das seien separate Verhandlungen. Russland entsendet rund 2000 Soldaten sowie umfangreiche Militärtechnik in die Region.

Die Gefechte in Bergkarabach im Süden des Kaukasus waren Ende September neu ausgebrochen. Der Konflikt selbst ist schon Jahrzehnte alt. Bergkarabach wurde bisher weitgehend von Armenien kontrolliert, gehört aber völkerrechtlich zu Aserbaidschan. 

Aserbaidschan sucht dabei immer wieder die Unterstützung seines muslimischen "Bruderstaats", der Türkei. Das christliche Armenien wiederum setzt auf Russland als Schutzmacht.

"Das ist ein Sieg der Völker beider Länder – von Aserbaidschan und Armenien, weil der Krieg gestoppt wurde", sagte Peskow zu der in der Nacht zum Dienstag getroffenen Vereinbarung. Russlands Soldaten seien der Garant dafür, dass der Krieg ende. Die Kräfte würden auch den Austausch von Gefangenen und Toten sicherstellen.

Nach russischen Angaben waren Frankreich und die USA nicht an den Verhandlungen zur Lösung des Konflikts beteiligt. Beide Länder sind mit Russland Co-Vorsitzende in der Minsker Gruppe der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE), die für die Karabach-Verhandlungen zuständig ist.

Frankreich fordert Schutz für Armenier

Frankreich forderte nach der ausgehandelten Vereinbarung eine langfristige politische Lösung, bei der die Interessen der Armenier gewahrt werden. Paris setze seine Gespräche mit Russland aktiv fort, um zu einem dauerhaften Abkommen zu gelangen, hieß es aus dem Präsidentenpalast. "In dieser schwierigen Zeit steht Frankreich an der Seite Armeniens." Es müsse gewährleistet werden, dass die Armenier in der Konfliktregion leben und Zehntausenden von Menschen, die in den letzten Wochen aus ihrer Heimat geflohen seien, zurückkehren könnten.

Frankreich rief die Türkei außerdem erneut zur Zurückhaltung auf. "Frankreich fordert die Türkei nachdrücklich auf, ihre Provokationen in Bezug auf Bergkarabach einzustellen, Zurückhaltung zu üben und nichts zu tun, was die Möglichkeit gefährdet, dass zwischen den Parteien und im Rahmen der Minsk-Gruppe ein dauerhaftes Abkommen ausgehandelt wird."

Die Türkei hatte die Vereinbarung zwischen Armenien und Aserbaidschan begrüßt. Außenminister Mevlüt Cavusoglu schrieb auf Twitter, der Verbündete Aserbaidschan habe einen wichtigen Gewinn auf dem Feld und am Verhandlungstisch erzielt. "Ich gratuliere von Herzen zu diesem freudigen Erfolg." Man werde den aserbaidschanischen "Geschwistern" weiter zur Seite stehen.

als/dpa
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