Umstrittenes Gebiet Neue Kämpfe statt Waffenruhe in Bergkarabach

Trotz Appellen von allen Seiten gehen die Kämpfe in der Region Bergkarabach weiter. Armenien spricht von einem Großangriff mit mehr als 200 Toten. Aserbaidschan dementiert das.
Am Freitag steigt Rauch an der Grenze zwischen Aserbaidschan und Armenien auf.

Am Freitag steigt Rauch an der Grenze zwischen Aserbaidschan und Armenien auf.

Foto: AZIZ KARIMOV / REUTERS

Bodentruppen Aserbaidschans haben am Samstag nach Angaben Armeniens einen groß angelegten Angriff in der Konfliktregion Bergkarabach gestartet. Aserbaidschanische Truppen seien sowohl aus nördlicher als auch südlicher Richtung "mit starken Einheiten" vorgerückt, teilte Armeniens Verteidigungsministerium mit. Es sprach von "heftigen Kämpfen". Dabei seien drei Kampfflugzeuge der Aserbaidschaner abgeschossen worden. Diese Angaben konnten von unabhängiger Seite nicht bestätigt werden, Aserbaidschan dementierte den Abschuss der Flugzeuge.

Seit fast einer Woche liefern sich die beiden verfeindeten Staaten schwere Gefechte in dem Gebiet. Diese gehen weit über die Scharmützel hinaus, die es zuletzt immer wieder in der Region gab. Bislang sind bei den Kämpfen nach armenischen Angaben deutlich mehr als 200 Menschen getötet worden. Aserbaidschan sprach indes von 19 toten Zivilisten und 60 Verletzten.

Bergkarabach gehört zu Aserbaidschan, wird aber von Armenien kontrolliert. Das christlich geprägte Armenien erhält Hilfe von Russland, das muslimische Aserbaidschan ist mit der Türkei verbündet. Beide Konfliktparteien werfen sich gegenseitig vor, Söldner in der Region in den Kampf zu schicken.

US-Außenminister Mike Pompeo hat zur Nichteinmischung in dem Konflikt aufgerufen. Er hoffe, dass sich die Berichte über Söldner als falsch erwiesen, sagte Pompeo am Freitag auf dem Rückflug nach einer Europareise. Eine ausländische Einmischung in den Konflikt um Bergkarabach drohe die Chancen auf einen Frieden noch zu verringern, es drohten weitere Verluste von Menschenleben, sagte Pompeo.

Waffenruhe kommt nicht voran

Internationale Bemühungen um eine Waffenruhe sind bisher gescheitert. Am Donnerstag hatten Russland, Frankreich und die USA eine Vermittlung in dem Konflikt angeboten und eine Waffenruhe gefordert. Die drei Länder bilden die sogenannte Minsk-Gruppe der Organisation für Zusammenarbeit und Entwicklung in Europa (OSZE). Das militärisch unterlegene Armenien hat sich dazu bereit erklärt.

Aserbaidschan hingegen hat den Vorschlag zurückgewiesen. Die drei Mächte sollten bei Friedensverhandlungen keine Rolle spielen, erklärte der Verbündete Türkei. "Es ist offensichtlich, dass Armenien den Konflikt nicht durch Verhandlungen lösen möchte und versucht, besetzte Gebiete zu annektieren", erklärte Aserbaidschans Außenministerium.

Nach armenischer Darstellung hat Aserbaidschan weitere Kräfte in das Konfliktgebiet hinzugezogen. Baku bestätigte dies zunächst nicht. Der aserbaidschanische Präsident Ilham Aliyev teilte nach einem Telefonat mit seinem französischen Kollegen Emmanuel Macron mit, seine Armee habe besetzte Gebiete befreit. Zugleich warf er dem Nachbarland vor, die Verhandlungen über die Beilegung des Konflikts zu behindern.

sep/dpa/Reuters
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