Bergkarabach-Konflikt Offenbar schwere Gefechte zwischen Armenien und Aserbaidschan

Der Konflikt scheint wieder aufzuflammen: In der Grenzregion nahe Bergkarabach sind bei Gefechten mehrere Menschen ums Leben gekommen. Die Regierungen beschuldigen sich gegenseitig, Armenien hofft auf russische Hilfe.
Ständiger Konflikt: Aserbaidschanische Soldaten laufen im September bei einer Parade anlässlich des erstens Jahrestags des Krieges in Bergkarabach

Ständiger Konflikt: Aserbaidschanische Soldaten laufen im September bei einer Parade anlässlich des erstens Jahrestags des Krieges in Bergkarabach

Foto: Valery Sharifulin / ITAR-TASS / IMAGO

Während der sechswöchigen Kämpfe um die Region Bergkarabach im vergangenen Jahr wurden mehr als 6500 Menschen getötet. Zwar kam es danach zu einem Waffenstillstand, doch jetzt zeigt sich: Der Konflikt zwischen den verfeindeten Nachbarstaaten Aserbaidschan und Armenien schwelt weiter.

Im Grenzgebiet nahe Bergkarabach ist es offenbar zu schweren Gefechten zwischen Truppen beider Länder gekommen. Das armenische Verteidigungsministerium teilte mit, bei einem Angriff aserbaidschanischer Verbände auf armenische Seite seien mehrere armenische Soldaten getötet und verletzt worden. Die Zahl der Toten werde noch geprüft. Zwei Stellungen des Militärs seien an die feindlichen Truppen verloren worden.

Aserbaidschan spricht von »Provokation«

Die aserbaidschanische Regierung wies ihrerseits der armenischen Seite die Schuld an den neuen Gefechten zu. Armenische Soldaten hätten aserbaidschanische Stellungen in den Provinzen Kalbadschar und Lachin angegriffen, erklärte das Verteidigungsministerium. Beide Provinzen hatte Armenien nach den schweren Kämpfen im vergangenen Jahr um die Kaukasusregion Bergkarabach an Aserbaidschan abtreten müssen.

Bei dem armenischen Angriff am Dienstag habe es sich um eine »groß angelegte Provokation« gehandelt, erklärte das Verteidigungsministerium. Zwei aserbaidschanische Soldaten seien verletzt worden. Der »Vormarsch des Feindes« sei jedoch gestoppt, die armenischen Einheiten umzingelt und armenische Militärs festgenommen worden, teilte das aserbaidschanische Ministerium mit.

Russland hat gute Verbindungen zu beiden Ländern

Bereits am vergangenen Wochenende hatten sich Armenien und Aserbaidschan gegenseitig beschuldigt, im Grenzgebiet das Feuer eröffnet zu haben. Die beiden ehemaligen Sowjetrepubliken sind seit Langem verfeindet. Die Spannungen gehen weiter, nachdem ihr bewaffneter Konflikt im vergangenen Jahr unter Vermittlung Russlands beendet worden war.

Die armenische Regierung rief nun Moskau zu militärischem Beistand auf. Russland solle dabei helfen, »die territoriale Integrität Armeniens zu schützen«, sagte der Sekretär des Nationalen Sicherheitsrats, Armen Grigorjan. Russland gilt als militärische Schutzmacht Armeniens, unterhält aber auch gute Beziehungen zu Aserbaidschan.

Gemäß der Waffenstillstandsvereinbarung nach dem Krieg im vergangenen Jahr musste Armenien große Gebiete an Aserbaidschan abtreten, die es jahrzehntelang kontrolliert hatte. In den vergangenen Monaten kam es immer wieder zu Schusswechseln zwischen armenischen und aserbaidschanischen Soldaten.

Anmerkung: In einer früheren Version hatten wir die Gefechte in Bergkarabach verortet, tatsächlich fanden sie in der Grenzregion statt. Wir haben die Formulierung präzisiert.

lau/AFP
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