Konflikt um Bergkarabach Russischer Militärhubschrauber in Armenien abgeschossen

Der Kampf um Bergkarabach eskaliert zunehmend. Nun ist ein russischer Militärhelikopter abgestürzt. Das aserbaidschanische Außenministerium gab an, den Hubschrauber versehentlich abgeschossen zu haben.
Gefechte in der Stadt Stepanakert: Seit Wochen gewinnen die Gefechte in der Konfliktregion Bergkarabach an Härte

Gefechte in der Stadt Stepanakert: Seit Wochen gewinnen die Gefechte in der Konfliktregion Bergkarabach an Härte

Foto: Uncredited / dpa

Seit Wochen kommt es in der umstrittenen Region Bergkarabach im Südkaukasus zu blutigen Gefechten. Jegliche Vermittlungsversuche zwischen den Konfliktparteien Armenien und Aserbaidschan blieben bisher erfolglos, stattdessen gewinnt der Konflikt zunehmend an Härte. Nun wurde ein Militärhubschrauber aus Russland bei den Gefechten abgeschossen.

Der russische Mi-24-Helikopter sei auf armenischem Gebiet abgestürzt, teilte das russische Verteidigungsministerium in Moskau mit. Dabei seien zwei Besatzungsmitglieder getötet, ein weiteres verletzt worden. Der Hubschrauber habe nach einem Raketenbeschuss die Kontrolle verloren und sei in einer Bergregion nahe der Grenze zur aserbaidschanischen Exklave Nachitschewan abgestürzt.

Zu dem Vorfall sei es außerhalb der Kampfzone in Bergkarabach gekommen, hieß es. Sie liegt mehr als 100 Kilometer entfernt davon. Armenien als Verbündeter Russlands sicherte Unterstützung bei der Aufklärung zu.

Das Außenministerium von Aserbaidschan gab in einer Stellungnahme  an, dass aserbaidschanische Kräfte den Hubschrauber versehentlich abgeschossen hätten. Es entschuldige sich bei Moskau.

Zugleich betonte das Ministerium, dass der Hubschraubers in der Nähe der armenisch-aserbaidschanischen Grenznähe geflogen sei. Zudem sei der Helikopter bei Nacht in geringer Höhe durch ein Gebiet geflogen, in dem zuvor keine russischen Hubschrauber gesehen worden seien.

Aserbaidschan sei bereit, Russland eine Entschädigung zu zahlen. "Die aserbaidschanische Seite entschuldigt sich (...) für diesen tragischen Vorfall", heißt es in der Erklärung.

Die schweren Gefechte um Bergkarabach dauern seit dem 27. September an. Aserbaidschan verlor in einem Krieg nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion vor rund 30 Jahren die Kontrolle über das bergige Gebiet mit etwa 145.000 Bewohnern. Seit 1994 galt eine brüchige Waffenruhe. Aserbaidschan kann sich in dem Konflikt auf seinen "Bruderstaat" Türkei verlassen. Russland wiederum ist Schutzmacht Armeniens.

Trotz mehrerer Vermittlungsversuche – auch von Moskau – halten die Kämpfe um die umstrittene Region an. Das aserbaidschanische Militär hat nach Angaben von Präsident Ilham Aliyev zuletzt weitere 23 Ortschaften unter seine Kontrolle gebracht. "Es lebe die aserbaidschanische Armee!", "Karabach ist Aserbaidschan!", schrieb Aliyev auf Twitter.

Seit Beginn der Offensive am 27. September wurden nach aserbaidschanischen Angaben mehr als 200 Ortschaften erobert. Die Behörden in Bergkarabach und Armenien bestätigten das nicht.

Die armenischen Streitkräfte hätten in verschiedenen Richtungen feindliche Angriffe abgewehrt, teilte das Verteidigungsministerium in Eriwan mit. Demnach gab es besonders schwere Kämpfe um die strategisch wichtige Stadt Schuscha sowie um Martuni, Martakert, Tagaward und andere Ortschaften. Überall seien die Attacken zurückgeschlagen worden.

asc/heb/fek/dpa
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