Bergkarabach-Konflikt Russland, USA und Frankreich fordern Waffenruhe - Kritik von Erdoğan

Feuerpause und Friedensgespräche: In einem gemeinsamen Appell wenden sich die USA, Russland und Frankreich an die Konfliktparteien in Bergkarabach. Das stößt beim türkischen Präsidenten Erdoğan auf Empörung.
Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan am Donnerstag im Parlament in Ankara

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan am Donnerstag im Parlament in Ankara

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ADEM ALTAN / AFP

Seit Tagen gibt es schwere Gefechte zwischen Armenien und Aserbaidschan um die Kaukasusregion Bergkarabach. Bislang ignorieren die Konfliktparteien internationale Rufe nach einer Waffenruhe. Nun hat Russland, ein Verbündeter Armeniens, gemeinsam mit den USA und Frankreich die Konfliktparteien dazu aufgerufen, die Kämpfe zu beenden.

Die drei Staaten forderten eine sofortige Feuerpause und Friedensgespräche ohne Vorbedingungen zwischen Armenien und Aserbaidschan. Das geht aus Mitteilungen des Kreml und des Präsidentenpalasts in Paris hervor.

Erdoğan findet Vorstoß "unannehmbar"

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan reagierte mit scharfer Kritik auf den Vorstoß. "Da die USA, Russland und Frankreich dieses Problem seit 30 Jahren vernachlässigt haben, ist es unannehmbar, dass sie an den Bemühungen für eine Waffenruhe beteiligt werden", sagte Erdoğan im Parlament in Ankara.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron befeuerte den Verdacht, dass die Türkei in dem Konflikt stärker involviert ist, als sie zugeben will. Im Konfliktgebiet seien nach französischen Informationen Kämpfer dschihadistischer Gruppen aus Syrien aktiv, die über die Türkei in die Region gekommen seien, sagte Macron vor Beginn des EU-Sondergipfels in Brüssel. Er sprach von einer "sehr ernsten Sache". Darüber solle mit den anderen EU-Staats- und -Regierungschefs beraten werden. Zuvor hatte Armenien der Türkei bereits vorgeworfen, die Türkei habe rund 4000 Kämpfer aus Nordsyrien nach Aserbaidschan geschickt.

Seit dem Ausbruch der Kämpfe um Bergkarabach am vergangenen Sonntag sollen Dutzende Menschen umgekommen sein, Hunderte wurden verletzt. Am Donnerstag erklärte der aserbaidschanische Generalstaatsanwalt, durch armenischen Beschuss sei ein Zivilist in der Stadt Terter getötet, der Bahnhof schwer beschädigt worden.

Armenien teilte mit, zwei französische Journalisten seien bei einem Artillerieangriff auf die Stadt Martuni schwer verletzt worden. Frankreich will die beiden Reporter mit einem Flugzeug nach Hause holen. Eine Maschine mit medizinischer Ausstattung stehe zum Start bereit, sagte Macron. Er bestätigte, dass die Journalisten zur Redaktion der Tageszeitung "Le Monde" gehören.

Armenien und Aserbaidschan streiten seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion über Bergkarabach, das hauptsächlich von Armeniern bewohnt wird. Die Region im Südkaukasus mit etwa 150.000 Einwohnern wird aber von keinem Staat als unabhängig anerkannt.

Armenien ist mit Russland verbündet und wird von Frankreich unterstützt. Zusammen mit den USA bilden Russland und Frankreich die Minsk-Gruppe der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE). Die 1992 gegründete Gruppe soll helfen, den Bergkarabach-Konflikt beizulegen. Die Türkei ist mit Aserbaidschan verbündet und hat dem Land Unterstützung zugesagt.

mes/dpa/Reuters
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