Bericht zu »Havanna-Syndrom« CIA geht nicht von ausländischem Angriff aus – in den allermeisten Fällen

Dutzende US-Diplomaten klagten über rätselhafte Kopfschmerzen, Hörverlust, Schwindel und Übelkeit, zunächst in Havanna, später auch an anderen Orten. Nun stellt die CIA ihren Ermittlungsbericht dazu vor – und erntet Skepsis.
Die US-Botschaft in Kuba (Archivbild): Dort gab es 2016 die ersten Meldungen über rätselhafte Krankheitssymptome bei amerikanischen Diplomaten

Die US-Botschaft in Kuba (Archivbild): Dort gab es 2016 die ersten Meldungen über rätselhafte Krankheitssymptome bei amerikanischen Diplomaten

Foto: Desmond Boylan / dpa

Der US-Auslandsgeheimdienst CIA geht Medienberichten zufolge derzeit nicht davon aus, dass ein fremdes Land für das sogenannte Havanna-Syndrom verantwortlich ist. Die CIA habe keine entsprechenden Beweise, hieß es in US-Medien unter Berufung auf einen Zwischenbericht. Die meisten mysteriösen Erkrankungen von Botschaftspersonal scheinen demnach auf bisher nicht diagnostizierte Krankheiten oder Stress zurückzuführen zu sein.

Es gebe allerdings auch Fälle, die sich nicht erklären ließen, heißt es in dem Zwischenbericht. Es sei aber unwahrscheinlich, dass es sich um eine anhaltende weltweite Kampagne handele.

Dutzende in Havanna lebende US-Diplomaten und ihre Angehörigen haben ab 2016 über rätselhafte Kopfschmerzen, Hörverlust, Schwindel und Übelkeit geklagt. Das Botschaftspersonal dort wurde daraufhin auf ein Minimum reduziert.

Später berichteten auch US-Diplomaten an anderen Orten der Welt über ähnliche Beschwerden, es wurden Fälle aus China, Deutschland, Australien, Russland, Kolumbien, Österreich und Washington gemeldet. Die Regierung in Washington schloss nicht aus, dass es sich dabei um eine Art Angriff handeln könnte – es wurde aber immer betont, dass man nicht wisse, was dahinterstecke.

Ein hochrangiger Beamter des US-Auslandsgeheimdienstes sagte der Nachrichtenagentur AFP am Donnerstag zu dem Untersuchungsbericht: »Wir haben festgestellt, dass es unwahrscheinlich ist, dass ein ausländischer Akteur, einschließlich Russland, eine anhaltende weltweite Kampagne durchführt, bei der US-Personal mit einer Waffe oder einem Mechanismus geschädigt wird.« Politiker und Opfervertreter in Washington reagierten allerdings skeptisch.

Die Anwälte mutmaßlicher Opfer wiesen die Schlussfolgerungen der CIA zurück. Die CIA habe sie veröffentlicht, um mit einer »Revolte innerhalb ihrer Belegschaft umzugehen, da die Offiziere nicht nach Übersee gehen wollen«, sagte der Anwalt Mark Zaid. »Der CIA-Bericht ist eine Desinformation«, sagte er und wies darauf hin, dass andere Stellen in der US-Geheimdienstgemeinschaft dem Bericht nicht zustimmen.

Die Mitglieder der Geheimdienstausschüsse des Senats und des Repräsentantenhauses, die am Mittwoch über die Ergebnisse des CIA-Berichts unterrichtet wurden, äußerten einige Vorbehalte gegenüber dem Bericht. Die republikanische Senatorin Susan Collins erklärte, sie sei von den Schlussfolgerungen »überrascht«. »Es ist schwierig, die Ergebnisse der Experten-Taskforce der CIA mit anderen Beweisen und Aussagen in Einklang zu bringen«, teilte sie mit.

Untersuchungen werden laut Außenminister Blinken fortgesetzt

Der amerikanische Außenminister Antony Blinken ging am Donnerstag auf Nachfrage nicht direkt auf die Ergebnisse des Berichts ein. Er kündigte aber an, dass die Untersuchungen fortgesetzt würden. »Wenn man mit den Menschen spricht, wenn man hört, was sie durchgemacht haben, dann gibt es für mich keinen Zweifel, dass sie echte Erfahrungen, echte Symptome und echtes Leid erlebt haben«, sagte er. »Wir werden weiterhin alles tun, was wir können, um zu verstehen, was passiert ist, warum es passiert ist und wer dafür verantwortlich sein könnte.«

aar/dpa