Attacke des Herausforderers Biden wirft Trump Kapitulation im Kampf gegen Corona vor

Der Präsident hoffe, "dass das Virus einfach verschwindet, wenn er es ignoriert": Joe Biden hat Donald Trumps Umgang mit der Pandemie scharf kritisiert. Die Vorlage kam von dessen eigenem Stabschef.
Joe Biden (r.) und Donald Trump (beim TV-Duell am 22. Oktober): Harte Vorwürfe an den Amtsinhaber

Joe Biden (r.) und Donald Trump (beim TV-Duell am 22. Oktober): Harte Vorwürfe an den Amtsinhaber

Foto: BRIAN SNYDER / REUTERS

Noch neun Tage bis zur Wahl - und die Coronakrise bleibt das beherrschende Thema in der finalen Phase des Wahlkampfs. US-Präsidentschaftskandidat Joe Biden hat Amtsinhaber Donald Trump nun vorgeworfen, den Kampf gegen das Virus aufgegeben zu haben.

Der Präsident kapituliere vor der Pandemie und hoffe, "dass das Virus einfach verschwindet, wenn er es ignoriert", erklärte Biden am Sonntag.

Der frühere Vizepräsident bezog sich auf Äußerungen von Trumps Stabschef Mark Meadows über die Corona-Strategie der Regierung. "Wir werden die Pandemie nicht kontrollieren", sagte Meadows im Fernsehsender CNN. Entscheidend sei vielmehr, dass ein Impfstoff und Medikamente gegen das Virus zum Einsatz kommen.

Experten der Regierung rechnen allerdings damit, dass erst im kommenden Frühjahr genug Impfstoffdosen für alle Amerikaner zur Verfügung stehen könnten.

In den USA war am Samstag erneut ein Rekordwert bei den Corona-Neuinfektionen verzeichnet worden. Nach Angaben der Johns-Hopkins-Universität wurden binnen 24 Stunden fast 89.000 neue Ansteckungsfälle erfasst. Insgesamt 225.000 Infizierte starben bislang in den USA.

Auch in der Regierungsmannschaft von Präsident Trump gibt es neue Fälle. Der Stabschef von Vizepräsident Mike Pence, Marc Short, sowie weitere hochrangige Mitarbeiter von Pence wurden positiv getestet, wie das US-Präsidialamt mitteilt. Der Test von Pence selbst sei negativ gewesen. Der Vizepräsident werde seine Wahlkampftermine einschließlich einer Reise nach North Carolina wie geplant absolvieren.

Das Weiße Haus begründete die Entscheidung damit, dass sich Pence nach den Richtlinien der Seuchenschutzbehörden mit seinem Status als "absolut notwendiger Mitarbeiter" nicht in Quarantäne begeben müsse.

Der Präsident verweist auf den eigenen Sohn - mit variierenden Timelines

Auch bei Trumps Wahlkampfauftritten am Wochenende war die Pandemie Thema. Der Präsident verharmloste wieder einmal die Gefahr - sogar noch wortreicher als bisher. "Ich hatte es, hier bin ich", verkündete Trump in Anspielung auf seine Covid-19-Erkrankung bei einem der Auftritte. "Und jetzt sagen sie, dass ich immun bin."

DER SPIEGEL

Trump war unter anderem mit einem noch experimentellen Antikörper-Medikament behandelt worden, das er als "Heilmittel" bezeichnete. Bei jedem der Auftritte erzählte er zudem, dass sein 14-jähriger Sohn Barron schon kurz nach dem positiven Test von den Ärzten wieder für gesund erklärt worden sei. Trump präsentierte bei den drei Reden drei Varianten, wie schnell das angeblich gegangen sei: in 15 Sekunden, in 15 Minuten oder binnen eines Tages.

Für Trump sind mal wieder die Medien das Problem

Den Anstieg der Infektionen im Land führte Trump darauf zurück, dass mehr als früher getestet werde. "Wenn wir halb so viel testen würden, wäre die Zahl halb so hoch." Überhaupt werde in den Medien ständig über das Virus geredet. "Macht man den Fernseher an: 'Covid, Covid, Covid, Covid, Covid'", beschwerte sich der Präsident. "Ein Flugzeug stürzt ab, 500 Leute sind tot, sie reden nicht darüber. 'Covid, Covid, Covid, Covid'."

Die Medien wollten den Leuten nur vor der Wahl Angst machen, behauptete Trump. Bei seinen Auftritten standen Tausende Anhänger dicht gedrängt, viele trugen keine Masken.

Die Unzufriedenheit der Amerikaner mit Trumps Krisenmanagement in der Pandemie könnte zum entscheidenden Faktor für die Präsidentschaftswahl am 3. November werden.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Textes heißt es, in den USA seien bisher 252.000 Infizierte gestorben. Es sind jedoch 225.000 Corona-Tote.

jok/AFP
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