Von Partygate bis Peppa Wutz Johnsons größte Skandale

Teure Wohnungsrenovierung, Parteifreunde mit Nebenjobs und wirre Peppa-Wutz-Reden: Die bisherige Amtszeit des britischen Premiers war nicht arm an Aufregern. Eine unvollständige Liste der Verfehlungen von Boris Johnson.
Boris Johnson hat in seiner Amtszeit nicht selten für Negativschlagzeilen gesorgt

Boris Johnson hat in seiner Amtszeit nicht selten für Negativschlagzeilen gesorgt

Foto: Jakub Porzycki / NurPhoto / Getty Images

Großbritanniens Premierminister war einst als »Teflon-Boris« bekannt, weil es lange so schien, als könne kein Vergehen, kein Skandal an ihm haften bleiben. Doch seine jüngste Verfehlung könnte die eine zu viel gewesen sein.

Kurz hintereinander traten am Dienstagabend Gesundheitsminister Sajid Javid sowie Schatzkanzler und Tory-Hoffnungsträger Rishi Sunak von ihren Ämtern zurück. Es folgten der britische Generalstaatsanwalt sowie mehrere Staatssekretäre.

Ob Boris Johnson seine Amtszeit regulär beenden kann, ist fraglicher denn je . Seit seinem Amtsantritt 2019 stand Johnson oft in der Kritik, hat nachweislich die Unwahrheit gesagt, versucht, Gesetze zu seinem Vorteil zu ändern und wirre Ansprachen gehalten.

Lesen Sie hier eine nicht vollständige Auflistung der bisherigen Johnson-Skandale:

Der Einpeitscher

Chris Pincher trat in der vergangenen Woche zurück, weil er offenbar zwei Männer im betrunkenen Zustand begrapschte. Der Premier, der seinen Parteifreund erst im Februar zum stellvertretenden Fraktionseinpeitscher (Whip) ernannte, gab erst zu Protokoll, nichts über ähnliche Vorwürfe gegen Pincher gewusst zu haben. Am Dienstag dann die Kehrtwende. Johnson könne sich nun doch wieder daran erinnern, über frühere Anschuldigungen informiert worden zu sein. Am frühen Abend bat der Premier um Entschuldigung.

Der Mann mit den vielen Jobs

Der ehemalige Tory-Abgeordnete Owen Paterson hatte neben seinem Mandat diverse gut bezahlte und nicht angegebene Jobs. Der Kontrollausschuss des britischen Unterhauses befand im Oktober 2021, dass Paterson sich nicht an die Lobbyregeln gehalten hatte. Johnsons Parteifreund soll sich politisch für zwei Unternehmen eingesetzt haben, bei denen er auf der Gehaltsliste stand.

Was machte der Premier? Er versuchte, die Regeln zu ändern, nach denen solche Fälle untersucht werden. Nach massivem öffentlichen Druck legte Johnson eine öffentliche Kehrtwende hin. Im November trat Paterson zurück, einen Monat später verloren die Tories erstmals überhaupt in Patersons ehemaligem Wahlkreis.

Partygate

Während eines landesweiten Coronalockdowns gab es in der Downing Street 10 diverse illegale Feiern. Boris Johnson bestritt zunächst, davon gewusst zu haben. Als sich diese Behauptung als unwahr erwies, gab er an, nicht an den Partys teilgenommen zu haben. Als auch diese Lüge ans Licht kam, bat er um Entschuldigung. »Ich bin beschämt und habe meine Lektion gelernt«, sagte er im Parlament unter lauten Spottrufen aus Richtung der Oppositionsbank. Im April 2022 wurde Johnson ein Bußgeld auferlegt.

Peppa Wutz

Vielleicht kein Skandal, aber zumindest eine »bemerkenswerte« Rede. Im November 2021 hielt Johnson einen wirren Vortrag vor Wirtschaftsvertretern. Er zitierte Lenin, verglich sich mit Moses, imitierte Motorengeräusche und erzählte minutenlang von einem Besuch im Freizeitpark »Peppa Pig World«. An einer Stelle verlor er den Faden und sagte 20 Sekunden lang nichts.

DER SPIEGEL

In einem TV-Interview wurde Johnson anschließend gefragt, ob es ihm gutgehe.

Katzen aus Kabul

Überstürzt floh der Westen vergangenes Jahr aus Afghanistan, Großbritannien evakuierte in wenigen Tagen Tausende Staatsbürger und afghanische Ortskräfte. Viele Afghanen warteten aber vergeblich auf einen Platz in einem Flieger.

In einem der letzten britischen Flugzeuge aus Kabul saßen Hunderte Hunde und Katzen einer Tierschutzorganisation. Kritiker fürchten, dass die Tierrettung zulasten von Menschen ging.

Der britische Auswärtige Ausschuss schrieb in seinem Bericht von »Verrat an unseren Verbündeten«. Johnson setzte sich offenbar aktiv für die Rettung der Haustiere ein, so die Parlamentarier.

Johnson bestritt dies zunächst, in einer später veröffentlichten internen E-Mail des Außenministeriums heißt es dann jedoch, Johnson habe die Evakuierung von Mitarbeitern und Tieren autorisiert.

Teure Renovierung

Auch Premierminister müssen ihre Wohnung ab und an mal renovieren dürfen. Dafür stehen ihnen bis zu 30.000 Pfund öffentlicher Geldern zu. Johnsons Umgestaltung kostete allerdings nicht nur mehr als 100.000 Pfund, es war auch lange nicht klar, wer genau für die Kosten aufgekommen ist.

Johnson erbat offenbar von David Brownlow, einem wohlhabenden Spender der Tories, den Großteil des Geldes für die Renovierung seiner Dienstwohnung. Als Gegenleistung könnte der Premier laut veröffentlichten WhatsApp-Nachrichten aus dem November 2020 versprochen haben, Pläne für eine »große Ausstellung« des Multimillionärs wohlwollend zu prüfen.

Die Labourpartei beschuldigte den Premierminister der Korruption, die Konservativen mussten 18.000 Euro Pfund Strafe zahlen.

Johnson gab zunächst an, nichts von der Spende gewusst zu haben, dann bat er um Entschuldigung und zahlte nachträglich selbst für die Modernisierung.

Kostenloser Urlaub in der Villa

Im Juli 2021 wurde Johnson vom parlamentarischen Ausschuss für Standards gerügt, weil er es versäumte, »die vollständigen Fakten« über einen kostenlosen Urlaub zum Jahreswechsel 2019/20 in einer Luxusvilla in Mustique zu ermitteln.

Johnson gab an, dass die Unterkunft vom britischen Millionär David Ross bezahlt worden sei. Ross selbst sagte aber, da müsse ein Fehler vorliegen, er habe die Villa nur vermittelt.

Der Ausschuss kommt zu dem Schluss, Johnson habe nicht gegen Regeln verstoßen. Es sei aber schwer gewesen, alle Einzelheiten zu dem Fall zu ermitteln.

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