Premier unter Druck Fünfte Johnson-Beraterin kündigt in Downing Street

Nach seiner Attacke gegen den Oppositionsführer hat laut Medienberichten eine weitere Vertraute von Boris Johnson ihren Dienst quittiert. Anhänger des Premierministers sehen darin den versprochenen »Kulturwandel«.
Premierminister Boris Johnson (am 2. Februar)

Premierminister Boris Johnson (am 2. Februar)

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ANDY RAIN / EPA

Die Krise des britischen Premierministers Boris Johnson spitzt sich weiter zu. Berichten zufolge verliert Johnson die nächste enge Mitarbeiterin. Die Beraterin Elena Narozanski – zuständig für Frauenpolitik, Kulturpolitik und Extremismus – habe gekündigt, berichteten der gut vernetzte konservative Blog »Conservative Home« und die Zeitung »The Telegraph« . Zuvor hatten sich bereits vier andere Vertraute aus der Downing Street verabschiedet, darunter Munira Mirza, eine langjährige und wichtige Wegbegleiterin.

Rücktritt einer Vertrauten trifft Premier hart

Johnson-Anhänger in seiner Konservativen Partei und Regierungsmitglieder betonten, die Rücktritte zeigten, dass der Regierungschef den versprochenen Kulturwandel umsetze. »Nun übernimmt der Premierminister das Kommando«, sagte Energie-Staatssekretär Greg Hands dem Sender Sky News. In einem Untersuchungsbericht zur »Partygate« -Affäre um Feiern in der Downing Street während des Coronalockdowns war von Führungsversagen die Rede. Die Polizei ermittelt. Johnson steht erheblich unter Druck.

Insbesondere der Rücktritt seiner Vertrauten Mirza trifft den Premier nach Ansicht von Kommentatoren hart. Ihren Schritt begründete sie mit persönlichen Attacken Johnsons auf Oppositionsführer Keir Starmer. Am Donnerstagabend distanzierte sich auch Finanzminister Rishi Sunak von der Kritik an Starmer. Mit dem Abgeordneten Huw Merriman zog am Freitag ein weiterer prominenter Tory nach. Johnson hatte sich einer in rechten Kreisen verbreiteten Verschwörungstheorie gegen Starmer bedient.

Der Premierminister hatte dem Oppositionführer Keir Starmer am vergangenen Montag im Parlament vorgeworfen, dass in seiner Zeit als Leiter der Staatsanwaltschaft nicht gegen den pädophilen BBC-Moderator Jimmy Savile ermittelt worden sei. Savile gilt als einer der schlimmsten Sexualverbrecher der britischen Geschichte. Er starb 2011, ohne je für seine Taten strafrechtlich belangt worden zu sein. Starmer war zwar damals im Amt, hatte aber mit dem Fall Savile nichts zu tun.

muk/dpa
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