Reaktionen auf Johnsons Geburtstagsfeier »Er muss gehen«

Boris Johnson soll seinen Geburtstag während des Lockdowns mit 30 Gästen auf einer Überraschungsparty gefeiert haben. Britische Parlamentarier reagieren erbost auf die neuen Enthüllungen über den Premier.
Boris Johnson (beim Besuch in einer Brauerei 2021)

Boris Johnson (beim Besuch in einer Brauerei 2021)

Foto: Dan Kitwood / dpa

Der Druck auf Boris Johnson ist nach dem Bericht über eine Überraschungs-Geburtstagsparty in der Downing Street trotz des Corona-Lockdowns erneut gestiegen. Oppositionschef Keir Starmer von der Labourpartei kritisierte die Regierung als »chaotisch und steuerlos« und forderte zum wiederholten Mal den Rücktritt des Premierministers. »Er muss gehen«, bekräftigte Starmer.

Bis zu 30 Gäste sollen nach Angaben des Senders ITV zufolge bei der angeblichen Feier am Nachmittag des 19. Juni 2020 zu Johnsons 56. Geburtstag dabei gewesen sein, darunter vor allem Mitarbeiter, aber auch die Designerin Lulu Lytle, die damals für viel Geld die Dienstwohnung der Johnsons renovierte. Carrie Johnson, die Ehefrau des Premiers, soll dem Bericht zufolge das Lied »Happy Birthday« angestimmt haben. Neben der Torte soll es auch ein Picknick mit Leckereien einer bekannten Kaufhaus- und Feinkostkette gegeben haben. Später seien mehrere Familienmitglieder in der Wohnung der Johnsons zu einer privaten Feier gewesen.

Aufgebracht reagierten auch Mitglieder der eigenen konservativen Tory-Partei: Die frühere Vorsitzende der Konservativen Partei, Baroness Warsi, sagte gegenüber dem BBC News Channel, es sei an der Zeit, dass Herr Johnson »lange und gründlich darüber nachdenkt, was im besten Interesse dieses Landes ist«. Sie sagte außerdem: »Die Frage, die er sich jeden Morgen stellen sollte, lautet: ›Bleibe ich im Amt, damit ich dieses Büro so führen kann, dass es dem Land besser geht, oder bin ich eine Störung?‹« Der konservative Abgeordnete Andrew Bridgen sagte, dass der Bericht über die Feier des Premierministers »das Fass zum Überlaufen bringen könnte«.

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Untersuchungsergebnis noch in dieser Woche

Mit einem freiwilligen Abgang Johnsons wird aber kaum gerechnet. Gefährlich werden könnte ihm jedoch der wachsende Unmut in der eigenen Partei. Er sieht sich dabei einer Koalition aus verschiedenen Lagern gegenüber. Sollten sich 54 Mitglieder seiner Fraktion im Unterhaus schriftlich für einen Wechsel aussprechen, käme es zum Misstrauensvotum.

Bereits in der vergangenen Woche sah es brenzlig für den Premier aus. Er hatte zugegeben, bei einer Gartenparty im Mai 2020 in seinem Amtssitz dabei gewesen zu sein, behauptete aber, sie für ein Arbeitstreffen gehalten zu haben. Dabei hatte sein Privatsekretär in einer E-Mail mit dem Hinweis »bringt euren eigenen Alkohol mit« dazu eingeladen. Die E-Mail will Johnson aber genauso wenig gesehen haben wie Warnungen im Vorfeld, es handle sich um einen Regelbruch.

Mit einem trotzigen Auftritt bei der Fragestunde im Parlament konnte sich Johnson am vergangenen Mittwoch wieder etwas Luft verschaffen. Doch ob ihm das noch einmal gelingen wird, gilt als zweifelhaft.

Noch in dieser Woche wird mit dem Ergebnis einer internen Untersuchung durch die hochrangige Beamtin Sue Gray gerechnet. Der nordirische Labour-Abgeordneter Peter Kyl, sagte gegenüber BBC, dass »es keine Zweideutigkeit« gebe bei den Berichten über Johnson. Gray habe jetzt einen »ziemlich unkomplizierten Job«.

als/dpa