Premier Johnson unter Druck Scotland Yard leitet Ermittlungen zu Downing-Street-Partys ein

Kostet das Feiern während der Coronapandemie den britischen Premier Boris Johnson das Amt? Wegen Partys am Regierungssitz haben die Behörden Untersuchungen aufgenommen.
Boris Johnson: Wachsender Unmut in der eigenen Partei

Boris Johnson: Wachsender Unmut in der eigenen Partei

Foto: ANDY RAIN / EPA

Die Londoner Polizei ermittelt zu mehreren Lockdown-Partys im Amtssitz von Premierminister Boris Johnson und in anderen Regierungsgebäuden. »Ich kann bestätigen, dass die Metropolitan Police zu einer Reihe von Veranstaltungen im Zusammenhang mit potenziellen Verstößen gegen die Coronaauflagen ermittelt«, sagte Scotland-Yard-Chefin Cressida Dick am Dienstag in einem Ausschuss des Londoner Stadtrats.

Johnson steht seit Wochen wegen Berichten über mutmaßlich illegale Partys in seinem Amtssitz massiv unter Druck. Laufend gibt es neue Enthüllungen über Feiern. Erst am Montag berichtete der Sender ITV von einer Geburtstagsparty für Johnson mit bis zu 30 Teilnehmern.

Insider halten Misstrauensvotum für unausweichlich

Für Johnson wird die Lage immer prekärer. Noch in dieser Woche werden die Ergebnisse einer internen Untersuchung der Spitzenbeamtin Sue Gray zu den mutmaßlich illegalen Partys erwartet. Vom Ausgang dieser Untersuchung könnte Johnsons politisches Schicksal abhängen. Mehrere Mitglieder seiner eigenen Fraktion wollen ihn stürzen. Die neuen Enthüllungen dürften Wasser auf ihre Mühlen sein. Insider halten ein Misstrauensvotum inzwischen für unausweichlich.

Mit einem freiwilligen Abgang Johnsons wird aber kaum gerechnet. Gefährlich werden könnte ihm jedoch der wachsende Unmut in der eigenen Partei. Er sieht sich dabei einer Koalition aus verschiedenen Lagern gegenüber. Sollten sich 54 Mitglieder seiner Fraktion im Unterhaus schriftlich für einen Wechsel aussprechen, käme es zum Misstrauensvotum.

Mit einem trotzigen Auftritt bei der Fragestunde im Parlament konnte sich Johnson am vergangenen Mittwoch wieder etwas Luft verschaffen. Doch ob ihm das noch einmal gelingen wird, gilt als zweifelhaft.

asa/AFP/dpa