Lockdown-Partys Johnsons Skandale lassen Umfragewerte der Tories abstürzen

Boris Johnson gerät wegen der Partys in Downing Street immer weiter unter Druck. Die Umfragewerte seiner Partei sind miserabel. Aus den eigenen Reihen werden erste Rücktrittsforderungen laut.
Großbritanniens Premierminister Boris Johnson

Großbritanniens Premierminister Boris Johnson

Foto: PAUL CHILDS / REUTERS

Die Rücktrittsforderungen gegen den britischen Premierminister Boris Johnson werden immer lauter. Während die Opposition dies schon längst fordert, rücken inzwischen auch zunehmend Mitglieder der Konservativen Partei von Johnson ab. Sie fürchten, sie könnten stellvertretend von ihren Wählern abgestraft werden. »Leider ist die Position des Premierministers unhaltbar geworden«, sagte der konservative Abgeordnete Andrew Bridgen, ein ehemaliger Johnson-Unterstützer. »Die Zeit ist reif, die Bühne zu verlassen.«

Hintergrund der Rücktrittsforderungen von Bridgen dürften die sich verschlechternde Umfragewerte der Konservativen sein. Einer Erhebung des Meinungsforschungsinstituts Savanta ComRes zufolge wuchs der Vorsprung der oppositionellen Labourpartei vor Johnsons konservativen Tories auf zehn Prozentpunkte. In der Umfrage kam Labour auf 42 Prozent (plus fünf Prozentpunkte), die Konservativen auf 32 Prozent (minus ein Prozentpunkt). 70 Prozent der 2151 Befragten sprachen sich für Johnsons Rücktritt aus. Die nächste Parlamentswahl würde regulär 2024 stattfinden.

Party vor Prince Philips Begräbnis

Anlass für die jüngste Empörungswelle in Großbritannien sind neue Medienberichte über weitere Partys in Johnsons Amtssitz in der Downing Street in London. Nicht nur wurden auch diese laut »Daily Telegraph« trotz geltender Coronaeinschränkungen gefeiert, sondern sie fanden auch noch am Vorabend der Beisetzung von Prinz Philip, dem Ehemann von Königin Elizabeth, im vergangenen April statt. Johnson musste sich am Freitag somit zum zweiten Mal in dieser Woche für Partys in seinem Amtssitz entschuldigen – diesmal aber direkt bei der Queen.

»Es ist zutiefst bedauerlich, dass dies zu einer Zeit der nationalen Trauer geschah«, sagte ein Sprecher Johnsons vor Journalisten über die Partys, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Man habe sich beim Palast entschuldigt. Der Sprecher fügte hinzu, Johnson sei am besagten Tag der Feiern, dem 16. April 2021, im Landsitz Chequers gewesen. Auch sei er zu keiner Zusammenkunft eingeladen gewesen. Allerdings berichtete der »Mirror« anschließend, Johnson sei regelmäßig Zeuge von Weinabenden an Freitagen in seinem Amtssitz gewesen und habe seine Mitarbeiter ermuntert, »Dampf abzulassen«. Während des Lockdowns sei Johnson selbst zu einer Handvoll dieser Zusammenkünfte gekommen. Erst am Mittwoch hatte sich der Premier im Parlament für seine Teilnahme an einer Gartenparty entschuldigt, die es im Mai 2020 inmitten des ersten Corona-Lockdowns gegeben hatte.

»Große Mengen Alkohols«

Dem »Telegraph« zufolge muss es bei den Feiern im April 2021 ausgelassen zugegangen sein. Mitarbeiter sollen in einem nahe gelegenen Supermarkt größere Mengen Alkohol gekauft haben, Musik sei über ein Laptop abgespielt worden, und eine Schaukel von Johnsons Sohn sei zu Bruch gegangen. Das alles soll stattgefunden haben, obwohl zu dem Zeitpunkt pandemiebedingt Einschränkungen für Zusammenkünfte von Personen unterschiedlicher Haushalte galten.

Besonders prekär ist zudem, dass das Land mit Königin Elizabeth II. um deren Gemahl trauerte, der im Alter von 99 Jahren gestorben war. Am Tag nach den Partys nahm die Queen in der St. George's Chapel Abschied von ihrem Mann und saß wegen der Coronabeschränkungen allein in einer Bankreihe.

Aufgrund der Partys steckt Johnson in einer der schwersten Krisen seiner Amtszeit. Diese wurde allerdings bereits von mehreren anderen Skandalen überschattet, wie etwa die Verwendung von Spenden bei der Renovierung von Johnsons Dienstsitz.

col/Reuters
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