Nach Neujahrsansprache 2021 Boris Johnson soll trotz Coronakontakt Selbstisolation vermieden haben

Neue Vorwürfe gegen Boris Johnson: Der britische Premier hat sich Ende 2020 nach einem TV-Auftritt laut einem Medienbericht nicht in Selbstisolation begeben, obwohl ein Kameramann positiv auf Corona getestet wurde.
Boris Johnson

Boris Johnson

Foto: Tayfun Salci / imago images/ZUMA Wire

Großbritanniens Premier Boris Johnson soll erneut gegen Regeln zur Bekämpfung der Pandemie verstoßen haben. Nach der Aufzeichnung der Neujahrsansprache Ende 2020 sei der Regierungschef nicht in Quarantäne gegangen, obwohl ein Kameramann danach positiv auf Corona getestet wurde. Das meldete die Zeitung »Mirror«.

Der Infizierte soll keine Maske getragen und sich weniger als zwei Meter von Johnson entfernt aufgehalten haben, berichtete das Blatt unter Berufung auf eine Quelle, die dem Premierminister nahestehen soll.

Unter diesen Umständen mussten sich Kontaktpersonen gemäß der damaligen Regeln eigentlich zehn Tage lang selbst isolieren. Ein britischer Regierungssprecher sagte, der Kontakt sei nicht so eng und weniger als 15 Minuten lang gewesen, weshalb Johnson sich nicht isoliert habe. Dem »Mirror« zufolge legen Aufnahmen auf dem offiziellen Account der Downing Street im Fotonetzwerk Flickr jedoch einen längeren und engeren Kontakt nahe.

In den vergangenen Wochen haben mehrere Enthüllungen der Zeitung und anderer Medien Johnson unter Druck gesetzt. So sollen etwa während der strikten Coronalockdowns in der Downing Street mehrere Partys gefeiert worden sein (lesen Sie hier mehr).

Trotz Rekordinfektionszahlen keine schärferen Maßnahmen

Johnson gestand derweil am Dienstag ein, dass der Druck auf das britische Gesundheitssystem voraussichtlich noch mehrere Wochen anhalten wird. Bislang wehrt sich die britische Regierung jedoch trotz Rekord-Neuinfektionszahlen, schärfere Maßnahmen einzuführen. Mehrere britische Kliniken haben wegen eklatanter Personalausfälle im Zusammenhang mit der Omikron-Variante den Katastrophenfall ausgerufen. Mindestens sechs Krankenhausstiftungen, zu denen teilweise mehrere Kliniken gehören, haben sich angesichts der heftigen Coronawelle bereits für diesen Schritt entschieden, wie die BBC am Dienstag berichtete.

Am Montag wurden allein in England und Schottland fast 160.000 Neuinfektionen mit dem Coronavirus gemeldet, wegen der Feiertage sind die Zahlen allerdings lückenhaft und die Dunkelziffer dürfte hoch sein. Die Sieben-Tage-Inzidenz lag zuletzt bei 1526 (Stand: 29. Dezember).

Zum Schulstart in England rechnen Schulleiter mit massiven Personalausfällen. Auch in anderen Bereichen hinterlässt die hohe Zahl der Ansteckungen bereits Spuren: So ist der Rail Delivery Group zufolge einer von zehn Beschäftigten im Zugverkehr aktuell krankgemeldet.

als/dpa
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