Parlamentsdebatte in Großbritannien Theresa May attackiert Boris Johnson mit einer Frage zu seinen Lockdown-Feiern

»Entweder hat mein ehrenwerter Freund die Regeln nicht gelesen oder er und die Menschen um ihn herum haben nicht verstanden, was sie bedeuteten«: Theresa May hat ihren Nachfolger besonders kritisch zur »Partygate«-Affäre befragt.
Theresa May, frühere britische Premierministerin, bei ihrer Frage im britischen Unterhaus

Theresa May, frühere britische Premierministerin, bei ihrer Frage im britischen Unterhaus

Foto: - / AFP

Nachdem eine interne Untersuchung der »Partygate«-Affäre der britischen Regierung »Führungsversagen« attestiert hat, musste sich Premierminister Boris Johnson im Parlament rechtfertigen.

Dabei meldete sich auch eine einstige Kontrahentin zu Wort. Die frühere britische Premierministerin Theresa May befragte Johnson zu den Regelverstößen. Die Untersuchung zeige, dass im Regierungssitz Coronaregeln nicht befolgt worden seien. »Entweder hat mein ehrenwerter Freund die Regeln nicht gelesen oder er und die Menschen um ihn herum haben nicht verstanden, was sie bedeuteten oder sie dachten, die Regeln gälten nicht für (Downing Street) Nr. 10. Was davon war es?«

Johnson bestritt in seiner Antwort, dass dies aus dem Bericht der ranghohen Regierungsbeamtin Sue Gray hervorgehe. Dies ist angesichts der Aussagen des Berichts allerdings kaum plausibel. Johnson bat May, den Abschluss der Untersuchung der Affäre durch die Polizei abzuwarten.

May war nach mehreren erfolglosen Abstimmungen zum Brexit 2019 zurückgetreten, Johnson wurde ihr Nachfolger. Nun steht er wegen der »Partygate«-Affäre selbst massiv unter Druck. Mehrere Abgeordnete seiner konservativen Tory-Partei sowie die Opposition haben bereits öffentlich seinen Rücktritt gefordert.

Im Parlament entschuldigte sich der Regierungschef für die Feste in seinem Amtssitz während der Coronapandemie. Zugleich stellte er klar, dass er nicht zurücktreten werde. Vielmehr wolle er seine Arbeit fortsetzen und werde Änderungen bei den Abläufen in seinem Dienstsitz vornehmen.

»Es tut mir leid wegen der Dinge, die wir nicht richtig gemacht haben und es tut mir leid wegen der Art, wie wir diese Angelegenheit gehandhabt haben«, sagte Johnson im Parlament. »Ich habe es verstanden, und ich werde es in Ordnung bringen.«

til/AFP/dpa