Großbritannien Johnson wegen Falschbehauptung über Oppositionschef in Bedrängnis

Der britische Premier Johnson hat Oppositionsführer Starmer wegen angeblicher Ermittlungsversäumnisse angeschwärzt – ein wütender Mob griff Starmer daraufhin in London an. Nun machen mehrere Politiker Johnson verantwortlich.
Der britische Premier Boris Johnson beim morgendlichen Joggen

Der britische Premier Boris Johnson beim morgendlichen Joggen

Foto: HENRY NICHOLLS / REUTERS

Der britische Premierminister Boris Johnson steht bereits wegen Coronapartys in seinem Regierungssitz in Erklärungsnot – nun gerät er auch wegen einer Falschbehauptung über seinen politischen Konkurrenten unter Druck.

Johnson hatte Oppositionschef Keir Starmer vergangene Woche vorgeworfen, als früherer Chef der Staatsanwaltschaft persönlich für das Versäumnis von Ermittlungen gegen den inzwischen gestorbenen pädophilen BBC-Moderator Jimmy Savile verantwortlich zu sein. Mehrere Abgeordnete von Johnsons konservativer Partei forderten nun eine Entschuldigung des Premiers, nachdem Starmer am Vorabend von Demonstranten auf der Straße mit dem Vorwurf konfrontiert und bedrängt worden war.

»Politik im Trump-Stil stoppen«

»Premierminister entschuldigen Sie sich bitte«, schrieb der Tory-Abgeordnete Tobias Ellwood auf Twitter und fügte hinzu: »Lasst uns dieses Abgleiten in eine Normalisierung einer Politik im Trump-Stil stoppen.«

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Auf im Internet kursierenden Videos von Montagabend ist zu sehen, wie Starmer von Demonstranten in der Nähe des Parlaments in London angegangen wird. Zu hören sind unter anderem Rufe wie »Verräter« und die Savile-Vorwürfe. Polizisten bugsieren den Labourpolitiker schließlich in einen Streifenwagen, der mit Blaulicht davonfährt.

Wie Scotland Yard mitteilte, wurden zwei Menschen festgenommen, nachdem sie einen Warnkegel auf Beamte geschleudert hatten.

Johnson hatte den Vorfall am Montagabend als »absolut schändlich« und »komplett inakzeptabel« bezeichnet, entschuldigte sich bislang aber nicht bei dem Oppositionschef. Digital-Staatssekretär Chris Phelps verteidigte den Premier. Johnson könne nicht für das Verhalten von Demonstranten verantwortlich gemacht werden, sagte Philp der BBC. Aus Regierungskreisen hieß es zudem, Johnson habe nicht die Absicht, sich zu entschuldigen.

mrc/dpa
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